Solingen: Modellbahn-Träume locken Sammler an

Solingen: Modellbahn-Träume locken Sammler an

Einige Jahre machte das Internet Sammlerbörsen zu schaffen. Inzwischen gibt es aber eine Trendwende, wie der Solinger Modellspielzeugmarkt nun zeigte. Hunderte kamen ins Theater.

Schon kurz, nachdem das Solinger Theater- und Konzerthaus gestern Vormittag seine Pforten geöffnet hatte, durchstöberten viele Gäste die Kisten auf den Ausstellertischen nach Ersatzteilen für ihre Modelleisenbahn, fachsimpelten und warfen prüfende Blicke auf Waggons, Schrauben und Lämpchen. "Was sollen die Schienen kosten?" durchbrach die deutlich vernehmbare Frage eines Besuchers die gedämpfte Geräuschkulisse. "Fünf Euro", antwortete Hagen Majert im gleichen Ton.

Der 68-Jährige baut seine Tische einmal pro Woche irgendwo in Nordrhein-Westfalen auf. Auf dem Modellspielzeugmarkt im Theater und Konzerthaus ist er längst ein Stammgast. Neben allerlei Zubehör für die heimische Miniaturwelt finden die Gäste bei ihm auch Spielzeugautos und -bagger sowie eine Prinzessin im Plüschgewand.

"Eines Tages kommt eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter vorbei und nimmt die mit", sagte Majert, wohl wissend, dass die Klientel auf dem Markt hauptsächlich männlich ist und die Schulzeit um einige Jahre hinter sich gelassen hat.

"Im Internetzeitalter kann man die Jugend nicht mehr so dafür begeistern", sagte Gerd Sondermann mit einem Unterton des Bedauerns. Als der heute 75-Jährige als Kind seine erste Eisenbahn geschenkt bekam, war es um ihn geschehen: "Ich habe mich immer weiter damit beschäftigt", so der Sammler. Er war gemeinsam mit seinem Schwiegersohn ins Theater gekommen. "Er braucht ein neues Dach für seinen Speisewagen und ich habe gerade Achsen gekauft", sagte Sondermann.

Für viele der Sammler sind die Modellspielzeuge Träume aus der eigenen Kindheit. Auch Hagen Majert entdeckte seine Leidenschaft für den Modellbau früh. "Natürlich hatte ich als Kind auch eine Eisenbahn", erinnerte er sich. Seine Tätigkeit als Verkäufer begann allerdings erst im Erwachsenenalter, als er den eigenen Kindern eine Modellbahnanlage schenkte.

"Manche Teile konnten wir nicht gebrauchen, also habe ich sie weiterverkauft", sagte er. Mittlerweile verfügt Majert über ein Sammelsurium aus zigtausend Wagen, Figuren und Nadeln. Vieles verkauft er aus Nachlässen großer Modellspielzeugliebhaber. "Dann wenden sich die Ehefrauen an mich", so der Anbieter.

Die Preise seiner Artikel variierten zwischen zehn Cent und rund 300 Euro. "Es gibt auf dem Markt nichts, was es nicht gibt", sagte Veranstalter Jürgen Hörner von "Adler Spielzeugmärkte", der sich über das vielfältige Angebot freute.

Eigentlich sei die große Boomzeit der Börsen für Modellspielzeug vorbei, betonte er: "Die waren in den 1980ern und 1990ern Jahren." Zum Teil negative Erfahrungen mit dem Internethandel oder aber auch fehlende Rentabilität für die Händler sorge aber inzwischen wieder für eine gute Resonanz auf den Veranstaltungen.

Auch gestern tummelten sich zur Zufriedenheit des Organisators mehrere Hundert Gäste im Theaterfoyer und brachten ein kleines "Schätzchen" für ihre Sammlungen mit nach Hause.

(RP)
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