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Mit der Komödie „Die Affäre Rue de Lourcine“ startet die Theatersaison mit einer Inszenierung des Ensemble Profan.

Theater : Wen habe ich da bloß umgebracht?

Mit der Komödie „Die Affäre Rue de Lourcine“ startet die Theatersaison mit einer Inszenierung des Ensemble Profan.

In der Normandie gibt es Redewendung den Fusel betreffend: Trinkst du einen Calvados, schläfst du gut; trinkst du zwei, hast du schöne Träume; trinkst du drei, erinnerst du dich an nichts mehr. Alleine schon deshalb sollte man – nicht nur aus gesundheitstechnischen Gründen – Saufgelage vermeiden. Sonst kann man als braver Bürger mit der Zipfelmütze schnell in Kalamitäten geraten. So ergeht es Lenglumé und seinem alten Schulfreund Mistingue. Nach durchsoffener Nacht nach einen Schultreffen der Ehemaligen wachen sie so ziemlich erinnerungslos am nächsten Morgen auf – und lesen in der Zeitung vom brutalen Mord an einer jungen Frau.

Aus den seltsamen Indizien schließen sie darauf, dass nur sie beide die scheußliche Tat begangen haben können. Aber anstatt nun der gräulichen Sache auf den Grund zu gehen, unternehmen die beiden Spießbürger groteske Versuche, um ihr Renommee zu retten, einen vor Tür stehenden Skandal abzuwenden – und geraten auf diese Weise immer tiefer in den Schlamassel. „Es geht ihnen einzig und allein um ihr Ansehen, nicht um das Verbrechen. Dafür würden die beiden ordentlichen Bürger sogar über Leichen gehen.“

Für Regisseur Micheal Tesch ist es schon ein sehr lange gehegter Wunsch, Eugène Labiches 1857 uraufgeführte Komödie „Die Affäre Rue de Lourcine“ auf die Bühne zu bringen. Nun ist es endlich soweit: Als Solinger Eigeninszenierung mit dem Ensemble Profan wird die neue Theatersaison mit diesem zauberhaften Stück eröffnet. „Nach der Kriegstrilogie mit ,Draußen vor der Tür‘, ,Antigone‘ und ,Trommeln in der Nacht‘ machen wir nun mit zwei Komödien einen leichte Spielzeit.“ So steht auch die „Kleinbürgerhochzeit“ auf dem Programm.

„Eugène Labiches Komödie ist nicht so bekannt, hat aber ihren Platz an den großen Häusern.“ So geht das Stück unter anderem über die Bühne des Wiener Burgtheaters. „Das Stück ist absolut zeitlos, selbst die Sprache ist nicht angestaubt“, so der Regisseur. „Da kommen Typen drin vor, die jeder kennt.“ Und es wird viel gesungen. Ralf Mutz hat für „Die Affäre Rue de Lourcine“ neue Musik geschrieben.

Michael Tesch erfüllt sich mit dieser Komödie einen lange gehegten Wunsch. „Nach weit über 30 Jahren Verzögerung ist es jetzt soweit. Das Stück muss raus.“ Ende der 70er Jahre war Michael Tesch mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus auf Tournee durch die UdSSR – die erste eines Westdeutschen Theaters. „Wir haben unter anderem in Moskau gespielt. Und während der Tournee haben die Schauspielerin Veronika Bayer und ich das Konzept für eine Inszenierung ausgearbeitet. Wir waren beide Feuer und Flamme dafür.“ Zu einer Aufführung kam es aber nicht. „Aber seitdem ist dieses Stück in meinem Kopf. Und jetzt ist der Zeitpunkt dafür gekommen.“ Zumal auch das Profan-Ensemble zurzeit wie geschaffen für dieses Werk scheint. „Und nach der Kriegstrilogie haben wir auf den Proben endlich auch wieder was zu lachen“, ergänzt Profan-Mitglied Renate Kemperdick.

Profan widmet die Inszenierung Veronika Bayer, die vor zehn Jahren verstorben ist. „Ähnlich wie Karlheinz Böhm fing sie im Nachkriegsfilm an und hat dann den Dreh zum seriösen Theater gefunden.“ Man merkt Tesch die Bewunderung an, wenn er von seiner Kollegin spricht. Und man merkt die ansteckende Begeisterung für das muntere Werk von Eugène Labiche. Der 1815 geborene Autor stammt aus wohlhabenden Verhältnissen, und war fast 40 Jahre mit seinen Lustspielen, Possen und Vaudevilles auf den Pariser Bühnen zuhause. Und verschwunden ist er davon nicht. Denn sein humanistischer Humor und seine schlagfertigen Dialoge suchen bis heute ihresgleichen. Davon kann man sich bei der 160 Jahre jungen Komödie „Die Affäre Rue de Lourcins“ in der kommenden Woche im Theater und Konzerthaus überzeugen.