Solingen: Mit dem Rad durch die Stadt

Solingen : Mit dem Rad durch die Stadt

Zwei Wochen nach dem Auftakt der Stadtwerke-Aktion "Strampeln für Solingen" sind die 14 Teilnehmer bereits mehr als 2300 Kilometer mit dem E-Bike gefahren. 50 Cent pro Kilometer werden an zwei Einrichtungen gespendet.

Das Auto bleibt heute in der Garage, schließlich müssen mit dem Fahrrad Kilometer für den guten Zweck geradelt werden. Doch die anfängliche Euphorie beim Start vor genau zwei Wochen ist nach einigen Tagen verflogen. Gerade mal 34 Kilometer zeigte der Tacho am vierten Tag, und die Erkenntnis reifte, dass viele Fahrten mit dem Auto eigentlich unnütz, weil viel zu kurz sind. Und mit dem Rad oder gar zu Fuß viel besser zurückzulegen wären.

Der Weg zur Arbeit beispielsweise. Keine zwei Kilometer entfernt liegt das Büro. Aufs Rad geschwungen und in die Pedale getreten ist man auf zwei Rädern zudem noch eher da, als wenn man ins Auto steigt, die kurze Strecke fährt und den Wagen im innerstädtischen Parkhaus abstellt, um dann noch gut 300 Meter zu Fuß zu gehen. Oder zum Einkaufen in den nahe gelegenen Supermarkt. Knappe 2,5 Kilometer – mehr nicht.

Schneller Antritt

Allerdings: Solingen ist trotz einiger gekennzeichneter Wege kein gutes Pflaster für Radfahrer. Auf dem Drahtesel spürt er geradezu die verärgerten Autofahrer im Nacken auf Straßen, die keinen Radweg vorhalten. Beim Überholen im weiten Bogen wirft der eine oder andere Wagenlenker schon mal einen finsteren Blick rüber in Richtung Radfahrer, auch irritiert darüber, dass der Zweiradfahrer beim Start an der Ampel ziemlich schnell in die Gänge kommt.

Das liegt am Power-Schalter, mit dem das von den Stadtwerken Solingen zur Verfügung gestellte E-Bike ausgerüstet ist. "Strampeln für Solingen" heißt hier seit Dienstag vor zwei Wochen die Devise, noch bis zum 10. September versuchen zwei Gruppen von je sieben Personen, möglichst viele Kilometer zusammen zu strampeln. Für jeden gefahrenen Kilometer mit dem Rad spenden die Stadtwerke 50 Cent. Schirmherr der Aktion ist Oberbürgermeister Norbert Feith. In den Genuss der Spenden kommen zum einen der Gustav Coppel Park für die Einrichtung einer Streetball-Anlage, zum anderen das Konzept "Jekiss", mit dem die Musikschule an der Flurstraße Schulkinder zum Singen bewegt und im Umgang mit der eigenen Stimme schult.

Gestern wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen: Beide Gruppen sind aktuell 2307 Kilometer gefahren, das entspricht einer Spendensumme von derzeit 1153,50 Euro.

Solingen keine Fahrradstadt? Mit dem E-Bike schon. Wird das Fahrrad mit Elektropower per Knopfdruck unterstützt, werden selbst steile Berge wie beispielsweise die Platzhofstraße oder die Brühler Straße hoch in Richtung Widdert zum vergnüglichen Fahrerlebnis für den Radler. Besonders dann, wenn auf halber Strecke "Normal-Radler" aufgeben und ihr Fahrrad schieben. Selbst der lange Anstieg über die Kohlsberger Straße und Bergerstraße bis nach Höhscheid lässt den Batterie unterstützten Pedaltreter nicht sonderlich aus der Puste kommen.

Nach einer Woche mit dem liebgewonnenen E-Bike musste indes ein Strategiewechsel her. Denn nur die kurzen Wege fahren, die man ansonsten mit dem Auto zurücklegt, bringen mit Blick auf das Spendenergebnis kein Geld in die Kasse. Von daher ist nun auch verstärkt in der Freizeit radeln angesagt, selbst wenn es, wie in den vergangenen Tagen, aus Kübeln schüttet.

Die Korkenziehertrasse vom Südpark bis Gräfrath und zurück bringt hier schnell 22 Kilometer zusammen. Die wird jetzt zusätzlich jeden Tag "beackert". Knapp 110 Kilometer zeigt nun mein Tacho an – die Batterie musste dafür indes schon zwei Mal aufgeladen werden.

(RP)
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