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Solingen: Mit dem Führerschein über die Wupper

Solingen : Mit dem Führerschein über die Wupper

Die Biologische Station bietet Schulungen für Kanufahrer an. Sie sollen für die Belange der Natur sensibilisiert werden.

Die Vegetation in und an der Wupper ist empfindlich. Auch der Eisvogel nimmt es übel, wenn er beim Brüten gestört wird. All das soll den Kanuten, die die Wupper befahren, bewusst sein. "Wir haben nichts gegen den Kanusport, wollen aber das Bewusstsein für das empfindliche Ökosystem schärfen", sagt Anke Kottsieper, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station Mittlere Wupper, die jetzt Schulungen für Kanuten anbietet. "Naturschutzfachlicher Qualifizierungslehrgang" heißt das offiziell, zwei Termine am 24. und 27. April sollen Wissen in Theorie und Praxis vermittelt.

Die Wupper befindet sich in einem FFH-Gebiet (Fauna, Flora Habitate), und sie darf nach der entsprechenden Überarbeitung der Landschaftspläne nur noch von qualifizierten Bootsführern oder in Begleitung von solchermaßen geschulten Freizeitsportlern befahren werden. Mit der jetzt angebotenen Schulung kann diese Qualifizierung erworben werden.

"Die Unterwasservegetation kann durch den Kanusport leiden", sagt Anke Kottsieper, "vor allem, wenn durch unachtsames Befahren die Pflanzen wie Wasserstern und Wasserhahnenfuß mit den Wurzeln ausgerissen werden". Daher ist das Befahren der Wupper seit dem vergangenen Jahr auch nur erlaubt, wenn gewisse Mindestpegelstände erreicht sind. Hier arbeitet die Biologische Station eng mit dem Wupperverband zusammen, der die Pegelstände für Kanufahrer veröffentlicht, die Freizeitsportler können sich am Tag vor der geplanten Tour informieren.

Die eintägigen Schulungen beginnen jeweils um 10 Uhr. Nach dem theoretischen Teil am Vormittag geht es nachmittags per Boot von Wupperhof bis zum Wipperkotten. Dabei werden die Besonderheiten dieses Flussabschnitts vor Ort erläutert, die Boote zur Schulung werden gestellt. Mit etwas Glück sind dann auch Eisvögel zu beobachten, deren Bestand sich nach Aussage von Anke Kottsieper gut erholt hat. "Wir sagen den Teilnehmern zum Beispiel, dass sie nicht mit den Booten stehenbleiben sollen, wenn sie eine Eisvogel-Bruthöhle entdeckt haben," erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Biologischen Station.

Nötig wurden die neuen Bestimmungen, weil die Zahl der Kanuten immer mehr zugenommen hat. Neben verschiedenen Tour-Anbietern gibt es auch zahlreiche private Gruppen, die die Wupper gerne mit Kanus befahren. Ob jemand künftig einen "Führerschein" für die Wupper hat, kann jederzeit kontrolliert werden. Auch wer die Wupper befährt, wenn sie nicht genug Wasser hat, muss damit rechnen, dass aufmerksame Spaziergänger dies beim Wupperverband oder der Biologischen Station melden.

Keine Schulung mitmachen müssen Paddelsportler, die im Besitz eines Europäischen Paddelpasses sind oder an einer Öko-Schulung des Deutschen Kanu-Verbandes teilgenommen haben.

Die Brutzeit des Eisvogels hat bereits begonnen. Der Vogel brütet zwei- bis dreimal im Jahr in ufernahen Lehmhöhlen. Ob er sich an der Wupper heimisch fühlt, ist nicht zuletzt davon abhängig, wie sich die Kanuten bei ihren Wupper-Touren verhalten.

(RP/rl)