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Solingen: Mit dem Fach Deutsch in eine neue Zukunft

Solingen : Mit dem Fach Deutsch in eine neue Zukunft

Die Theodor-Heuss-Realschule hat in diesem Schuljahr ebenfalls eine "Internationale Seiteneinsteiger-Klasse" eingerichtet. Zu den 14 Schülern gehört auch ein zwölfjähriges Flüchtlingskind aus Syrien.

Vokabeln bespricht Deutschlehrerin Dagmar Valder. Das Fach ist für die 14 Schüler der Klasse Fremdsprache. Die Kinder sind zwischen elf und 15 alt und stammen aus Tschetschenien, Afghanistan beziehungsweise Albanien. Andere sind aus Griechenland, Polen und Bulgarien mit ihren Eltern nach Solingen gekommen, die hier eine Arbeitsstelle gefunden haben und sich eine neue Zukunft aufbauen wollen. In die "Internationale Seiteneinsteiger-Klasse" der Theodor-Heuss-Realschule geht außerdem ein zwölfjähriges Mädchen, deren Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen ist.

"Die Kinder sind hochmotiviert", sagt Dagmar Valder. Nach den Worten der Lehrerin sind die Schüler sehr wissbegierig, die für sie neue Sprache zu lernen, damit sie sich möglichst schnell mit all ihren Mitschülern auf Deutsch unterhalten können.

In Deutschland wächst die Zahl dieser Seiteneinsteiger-Schulklassen rasant. In Solingen bestehen solche Klassen neben der Theodor-Heuss-Realschule (THS) außerdem an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, am Mildred-Scheel-Berufskolleg, an den Hauptschulen Höhscheid und Krahenhöhe sowie an zahlreichen Grundschulen.

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Die Kinder, die Freunde und Heimat zurückgelassen haben und die mitunter sogar Flucht und Verfolgung erleben mussten, sind schulpflichtig. "Sie bereichern uns und lassen sich schulisch gut entwickeln", sagt THS-Rektor Joachim Blümer mit Blick auf die erste Seiteneinsteiger-Klasse an seiner Schule. Dazu müsse allerdings der Start der Kinder gelingen, betont er. Unterrichtsmodell an der Felder Straße ist, dass die Schüler aus anderen Ländern schon in den Regelklassen integriert sind, sei es nun in einer Klasse 5 oder eine Klasse 7. Schulleiter Blümer findet es erfreulich, dass sich spontan viele Schüler der älteren Klassen bereiterklärt haben, als Paten für ihren neuen Mitschüler zur Verfügung zu stehen. Für jeweils zwei Stunden pro Tag erhalten die Kinder zudem einen Kompaktkurs im Fach Deutsch. "Zielsetzung für uns ist, die Kinder für den Regelschulunterricht sprachlich vorzubereiten", erklärt Schulleiter Joachim Blümer.

Dazu bedarf es nach seinen Worten allerdings auch entsprechender Rahmenbedingungen, um sich als Schule der Herausforderung zu stellen. "Nur mit Deutschstunden allein können wir diesen Kindern nicht gerecht werden." Blümer denkt an sozialpädagogische Unterstützung. Zusammenarbeit mit Eltern, außerschulische Angebote und beispielsweise ein Ausflug mit den Paten in den Wuppertaler Zoo – all dies müsse organisiert werden. Das Land hat dafür zwar sogenannte Integrationsstellen eingerichtet. Beobachtet wird jedoch, dass das zusätzliche Personal in den Schulen nicht überall angekommen ist.

Der Solinger Kiwanisclub hat das Thema jedenfalls aufgegriffen und unterstützt Schulen bei dem Projekt, Kinder zu stärken. "Die sprachliche Kompetenz bildet den Schlüssel für alle weiteren Schritte und Erfolge dieser Kinder; und dass in diesen Kindern ein großes Potenzial und eine Zukunft liegen, darüber sind sich alle Beteiligten einig", erklärt Blümer. Das Sprachcamp für Solinger Grundschulkinder in den Herbstferien unterstützen die Kiwanier finanziell.

(RP)