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Solingen: Millionenbetrug mit gebrauchten Lastern

Solingen : Millionenbetrug mit gebrauchten Lastern

Die 49-jährige Solingerin hatte in der letzten Reihe der Anklagebank Platz genommen – und dort, so gab die 6. Strafkammer schon beim gestrigen Prozessauftakt gegen eine Gruppe von mutmaßlichen Steuerbetrügern zu verstehen, saß sie auch ganz richtig.

Die 49-jährige Solingerin hatte in der letzten Reihe der Anklagebank Platz genommen — und dort, so gab die 6. Strafkammer schon beim gestrigen Prozessauftakt gegen eine Gruppe von mutmaßlichen Steuerbetrügern zu verstehen, saß sie auch ganz richtig.

Den sechs Angeklagten wird vorgeworfen, zwischen 1999 und 2005 den Fiskus um sage und schreibe rund 50 Millionen Euro betrogen zu haben. Doch die Solingerin fungierte bei den krummen Geschäften mit gebrauchten Lkw wohl nur als "Strohfrau", wie der Vorsitzende Richter erklärte.

Gegen sie könnte das Verfahren bereits bei der heutigen Fortsetzung gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt werden.

So billig werden zwei Verwandte der Frau allerdings höchstwahrscheinlich nicht davon kommen. Das Duo hatt laut Anklage Ende der 90er Jahre einen Plan entwickelt, um Steuern zu hinterziehen. Über Firmen, die auf die Solingerin sowie eine weitere Frau liefen, sollen sie Gebraucht-Lkw von Unternehmen gekauft haben, in deren Bilanzen die Wagen abgeschrieben waren.

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Abgeschrieben, aber nicht wertlos — die Angeklagten zahlten den Marktpreis, stellten jedoch geringere Rechnungen aus. Die erste Stufe des Mehrwertsteuerbetrugs also, die zunächst den verkaufenden Speditionen zugute kam. Gleichwohl, auch die Verwandten der Solingerin machten Reibach, indem sie die Autos an zwei weitere Männer, die ebenfalls angeklagt sind, weiter verkauften. Wohlgemerkt zu einem viel zu tiefen Preis — Mehrwertsteuerbetrug, die zweite.

Nun standen die Lkw bei der Gruppe aber immer noch mit den falschen Werten in den Büchern, die letzlich durch fingierte Reparaturen seitens der "Zwischenhändler" frisiert wurden. Geringer Zwischenkaufpreis plus die Instansetzungen, die den Hauptangeklagten pro forma in Rechnung gestellt wurden, ergaben wieder den tatsächlichen Wert der Fahrzeuge, die dann zu guter Letzt auch zu reellen Summen am legalen Markt verkauft wurden.

Ein Kettenbrief mit Lastern, der wohl ewig weiter geschrieben worden wäre, wenn nicht einer der "Zwischenhändler" irgendwann den heißen Atem der Fahnder im Nacken gespürt hätte. Der Mann packte aus und ist nun mit dem Kollegen "Zwischenhändler" Kronzeuge. Die Hauptverdächtigen wollten sich gestern noch nicht äußern.

(RP)