Solingen: Metzger will von nichts gewusst haben

Solingen : Metzger will von nichts gewusst haben

Was is dat denn? Mit diesen Worten will der 63-Jährige reagiert haben, als er zum ersten Mal die Marihuanapflanzen sah, die zwei seiner Mitarbeiter da gegenüber von seinem Betrieb in Unterburg professionell angebaut hatten. Dass er in dem Rauschgiftgeschäft nur eine Randfigur gewesen ist, hatte das Amtsgericht angenommen und verurteilte ihn am 11. September 2006 zu zwei Jahren Haft mit Bewährung. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, im Prozess gegen einen der Plantagenbetreiber kamen Details ans Licht, die den 63-Jährigen so schwer belasteten, dass er noch vor der Urteilsverkündung in Untersuchungshaft genommen wurde. Seit gestern nun steht der Metzger in der Berufungsverhandlung vor der 9. kleinen Strafkammer des Landgerichts in Wuppertal. An acht Verhandlungstagen soll die Rolle des Fleischgroßhändlers geklärt werden.

Wie schon im Prozess vor dem Amtsgericht schilderte der 63-Jährige, seine beiden Angestellten und ein weiterer Mann hätten ihm erzählt, sie wollten sich mit einem Studio für Industriefotografie selbstständig machen. Dafür will der Angeklagte Geld gegeben haben, in Wahrheit hatten die drei von seinen 10 000 Euro einen Generator für die Plantage gekauft, um nicht durch übermäßig hohe Stromrechnungen aufzufallen. Diese Anschaffung war auch in den Büchern des Fleischgroßhandels verbucht worden.

Den ersten Verhandlungstag nutzte der durch zwei Anwälte vertretene Angeklagte, um ausführlich die finanziellen Turbulenzen zu schildern, in die er geraten war, nachdem ihm ein Großkunde abhanden kam, BSE den Fleischabsatz stocken ließ und darüber hinaus bei ihm Tiefkühlfleisch sichergestellt wurde, das er selbst als „falsch etikettiert“ und die Behörden als „Gammelfleisch“ bezeichneten. Trotz aller finanziellen Not will der Metzger jedoch nicht das schnelle Geld im Rauschgifthandel gesucht haben. Die Plantage, in der am 27. März 2006 von der Polizei 3380 Cannabispflanzen sichergestellt wurden, sollte pro Jahr 500 Kilo Cannabis abwerfen mit einem Verkaufswert von zirka 1,25 Millionen Euro.

Fortsetzung am 15. August um 9 Uhr.

(RP)
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