Solingen: Metaller gehen auf die Straße

Solingen : Metaller gehen auf die Straße

Rund 800 Metaller aus zehn Unternehmen forderten beim Warnstreik auf dem Mühlenplatz mehr Lohn. Der Arbeitgeberverband kritisierte die Aktion als "unnötig und schädlich". Nächste Verhandlungsrunde ist am Freitag.

Viele Demonstrationsteilnehmer näherten sich vom Schlagbaum über die Konrad-Adenauer-Straße, über die Schützenstraße, Werwolf und Goerdelerstraße. Einige andere waren zudem mit Bussen gekommen: Die IG Metall hatte gestern zum Warnstreik und zur Kundgebung auf dem Mühlenplatz eingeladen.

Und rund 800 Beschäftigte von Kronprinz, Zwilling, Borbet, Dreizackwerk, Pfeilringwerk, Wilkinson, VS Guss, Forst Technologie und Piel & Adey waren dem Aufruf gefolgt. "Unsere Geduld ist zu Ende, wir sind für Streiks bereit", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Marko Röhrig mit Blick auf das bisherige Angebot der Arbeitgeber.

Das fiel mit drei Prozent für 14 Monate nach Ansicht der IG Metall viel zu gering aus. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent, darüber hinaus die unbefristete Übernahme der Auszubildenden und faire Leiharbeit. Die beiden letztgenannten Forderungen ließen sich auch "nicht mit Geld abkaufen", so Röhrig gestern. Ziel sei es vielmehr, beim Einsatz von Zeitarbeitern mehr Mitbestimmungsrechte zu erreichen.

Darin finden die Metaller prominente Unterstützung. Karl-Josef Laumann, im Schattenkabinett von CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen für den Posten des Arbeitsministers vorgesehen und am Montag zu Gast in Solingen bei einer Wahlveranstaltung seiner Partei, sprach sich für eine Neuregelung der Leiharbeit aus. "Ich habe Verständnis für die IG Metall. Für gleiche Arbeit muss es die gleiche Bezahlung geben", sagte der Christdemokrat unserer Zeitung.

Laumann forderte, die Betriebsräte in den Unternehmen sollten zukünftig über die Quote von Leiharbeitern in den Firmen mitbestimmen. "Wird das nicht in der Tarifrunde geklärt, wird die Bundesregierung eine gesetzliche Regelung treffen", so Laumann.

Für Horst Gabriel, Vorsitzender des Solinger Arbeitgeberverbandes (AGV), ist dagegen ein Kompromiss in diesem Punkt zurzeit nur schwer denkbar. Als "unnötige Verschärfung der Tarifrunde" kritisierte der AGV die gestrige Aktion der Metaller. "Warnstreiks stören die Produktion und beeinträchtigen vor allem die internationalen Kunden- und Lieferantenbeziehungen", sagte Gabriel. Er nannte das Verhalten der IG Metall "unverantwortlich, zumal wir einen attraktiven Lösungsvorschlag vorgelegt haben". Gabriel forderte die IG Metall auf, Bewegung am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße zu zeigen". Abgelehnt wird von den Arbeitgebern darüber hinaus nach wie vor die Forderung nach einer unbefristeten Übernahme von Auszubildenden nach Ende der Lehre. "Wir fordern keine Unkündbarkeit, aber wir brauchen Perspektiven", sagte hingegen Dennis Genzke, Jugend und Azubivertreter der IG Metall.

Marko Röhrig bezeichnete die Forderung nach mehr Geld gestern als "finanzierbar". Auch die Betriebsratsvorsitzenden von Zwilling, Jürgen Wiegand, und Wilkinson, Wolfgang Mehlau, argumentierten so: "Wenn bei der Telekom ein Abschluss von 6,5 Prozent vereinbart wurde, kann sich die IG Metall nicht mit drei Prozent zufriedengeben", sagte Wiegand. Er hofft wie Mehlau, dass die Arbeitgeber bei der nächsten Verhandlungsrunde am Freitag ein verbessertes Angebot präsentieren.

Für die Gewerkschaft ist klar: Die Metall- und Elektrobranche befinde sich in einer guten Verfassung. "2011 wurden goldene Bilanzen auch in Solinger Unternehmen geschrieben", sagte Gewerkschafts-Funktionär Röhrig. Eine Krise sei darüber hinaus nicht in Sicht, 2012 und 2013 könne von weiterem Wachstum in der Branche ausgegangen werden.

(RP/rl)