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Solingen: Menschlich und musikalisch ein prägender Künstler

Solingen : Menschlich und musikalisch ein prägender Künstler

Im Alter von 83 Jahren ist am vergangenen Montag Karlheinz Grapentin, ehemaliger Kantor der Lutherkirche, gestorben.

Gut gelaunt ist er: "Dann wollen wir mal los." Selbst das trübe Wetter an diesem Adventsonntag im vergangenen Jahr ändert nichts an der aufgeräumten Stimmung. Er geht langsam. Alter und Krankheit fordern ihren Tribut. Da wird auch der kurze Weg zum Auto weit. Es geht zum Gottesdienst in die evangelische Kirche nach Unterburg, wo ich Organist bin. "Da möchte ich mal wieder mit Dir hin." "Kein Problem", erwidere ich, "aber nur, wenn Du auch spielst." Und als er an der Orgel sitzt, scheint alle Gebrechlichkeit von ihm abzufallen.

Finger und Kopf funktionieren — und wie. Über das schöne, aber auch sperrig zu spielende Adventlied "Die Nacht ist vorgedrungen", zaubert der Mann an der Orgel improvisierend eine meditative und bewegende Fantasie. Es war das letzte Mal, dass ich meinen Freund und Lehrer an einer Orgel sollte spielen hören. Im Alter von 83 Jahren ist am vergangenen Montag nach schwerer, mit großer innerer Kraft getragener Krankheit, Karlheinz Grapentin, eine der wichtigsten und prägendsten Gestalten in der Solinger Kirchenmusik, gestorben.

Für den in einem musikalischen Elternhaus 1930 in Rheinhausen geborenen Grapentin stand der Weg schon früh fest, als er mit vier Jahren bereits Choräle auf dem Harmonium spielte. Nach Lehrzeiten als Kirchenmusiker in Ostdeutschland folgte das Studium in Köln. Bereits 1953 konnte der frisch examinierte A-Musiker seine erste Stellung in Duisburg-Hamborn antreten.

Über Gelsenkirchen führte Grapentins Weg nach Solingen, wo er am 1. Oktober 1962 seinen Dienst an der Lutherkirche begann. Bis zu seinem Ruhestand 1995 prägte er hier 33 Jahre lang als Organist und Kantor das musikalische Leben an der Kirche, in Solingen und weit darüber hinaus. Viel beachtet wurden die mit "seinem" Chor gegebenen großen Konzerte: etwa Bachs h-moll-Messe, die Passionen, die Oratorien von Händel, Haydn und Mendelssohn. Landesweit bekannt wurde Karlheinz Grapentin mit seinen Orgel- und Choraufnahmen ab 1971 etwa für den WDR und den Hessischen Rundfunk. Hinzu kommen natürlich Schallplatten-Produktionen. Nicht zu vergessen sind seine stets gut besuchten Orgelkonzerte. Denn neben der Interpretation der Werke vom Barock bis in die Moderne war Grapentin ein brillanter Improvisator.

Einen Großteil seines Lebens machte auch seine Arbeit als Orgelpädagoge aus. Viele seiner Schüler sind haupt- oder nebenamtlich tätig. Mit dem Ruhestand war natürlich lange nicht Schluss: In den beiden Christuskirchen, in St. Reinoldi oder auch in Burg war Grapentin fast jeden Sonntag auf dem Orgelbock zu finden.

Am Tag seines Todes stand in den Losungen der Herrenhuter Brüdergemeinde ein Vers des Propheten Jesaja: "Die Erlösten des Herrn werden heimkehren. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen." Ein seltsam passendes Wort für einen Todestag. Es wurde auch von Johannes Brahms in seinem "Ein deutsches Requiem" vertont. Die Aufführung dieses Werkes durch Karlheinz Grapentin, an der ich 1987 in der Lutherkirche mitwirken durfte, gehört mir zu den schönsten musikalischen Erinnerungen.

Grapentin hinterlässt seine Frau Dagmar, die Kinder Ute, Ulrike und Thomas, vier Enkel und ein Urenkelkind - sowie einen großen Kreis an Freunden.

Die Trauerfeier für Karlheinz Grapentin findet am Dienstag, 11. März, 11 Uhr, in der Lutherkirche statt. Sie wird gehalten von den Pfarrern Hans-Wilhelm Ermen und Joachim Römelt.

(RP)