Solingen: Menschenrechte im Vorbeigehen

Solingen: Menschenrechte im Vorbeigehen

Die Solinger Gruppe von Amnesty International eröffnete am Donnerstag feierlich den Menschenrechtspfad an der Korkenziehertrasse auf Höhe des Botanischen Gartens. 13 bunt bemalte Tafeln zeigen die 30 Artikel der UN-Menschenrechtscharta.

Jogger, Spaziergänger und Radfahrer können die Korkenziehertrasse ab sofort nicht mehr nur zur körperlichen Ertüchtigung nutzen, sondern auch zur Weiterbildung. In ihrer Ansprache verwies Ulla Weber von Amnesty International auf eine Studie aus dem Jahr 2004, in der jeder fünfte Deutsche so gut wie kein Menschenrecht benennen konnte. Um das Bewusstsein für die Artikel der 1948 verfassten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu schärfen, wandte sich die Solinger Ortsgruppe der Organisation im Jahr ihres 40. Jubiläums an Politik und Verwaltung. Der Plan, den Menschenrechtspfad an einem Ort mit großer "Laufkundschaft" unterzubringen, fand im Rathaus und auch bei der Walder Bezirksvertretung rasch Zustimmung.

Donnerstag enthüllte Oberbürgermeister Norbert Feith feierlich die Tafel mit Artikel eins, "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Alt-Bundespräsident Walter Scheel ließ ein Grußwort in seine Heimatstadt übermitteln: "Der Pfad wird ein großer Erfolg werden", schrieb der 93-Jährige und gratulierte der Amnesty-Ortsgruppe auch zu ihrem runden Geburtstag.

Auf den insgesamt 30 Tafeln können Passanten nicht nur die Artikel lesen, sondern mit dem Smartphone auch zusätzliche Informationen zu aktuellen Fällen von Menschenrechtsverletzungen erhalten, denn alle Tafeln sind mit QR-Codes versehen. Bilder der Künstlerin Yayo Kawamura illustrieren die einzelnen Artikel. Unterhalb der Tafeln, die in Stahlgerüste eingefasst sind, ist auf einer Bodenplatte das Logo von Amnesty International, eine in Stacheldraht eingewickelte brennende Kerze, zu sehen.

Wie wichtig es ist, den Pfad vor Vandalismus zu schützen, zeigte sich bereits am Morgen der Eröffnung, als Amnesty-Mitglieder Schmierereien vom Denkmal entfernen mussten. Die zweite Tafel, die das "Verbot der Diskriminierung" und das "Recht auf Leben und Freiheit" beinhaltet, hatten Unbekannte bekritzelt.

  • Amnesty : Gemeinsam für die Menschenrechte

Auf Initiative der Lehrerin Dorothea König, die am nahe gelegenen Gymnasium Vogelsang Geschichte und Politik unterrichtet, wacht die Klasse 8c künftig über das Denkmal. "Wir teilen uns in Gruppen ein und gehen immer wieder hier entlang", erzählte der Schüler Klemens. Für die Schüler ist das Aufpassen eine Ehrensache, wie auch Klemens' Schulkollegin Augustine bekräftigte: "Die Menschenrechte gehen schließlich jeden etwas an."

Mit dem Thema Menschenrechte befassten sich die Schüler bereits im vergangenen Jahr unter anderem im Rahmen eines Literaturwettbewerbs. Die Amnesty-Ortsgruppe möchte nun auch Walder Sportvereine dafür gewinnen, ein wachsames Auge auf das Denkmal zu richten.

Eine Feier zur Eröffnung des Pfades für die Bürger findet am kommenden Sonntag zwischen 12 und 17 Uhr an der Korkenziehertrasse am Frankfurter Damm auf Höhe des Botanischen Gartens statt. Dort gibt es in einem Menschenrechtsquiz auch kleine Preise zu gewinnen.

(ied)
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