Solingen: Mehr Sicherheit für Fußgänger

Solingen: Mehr Sicherheit für Fußgänger

Der dunkle Wagen erwischt "Holger" frontal mitten auf der Busspur am Graf-Wilhelm-Platz. "Holger" hat keine Chance: Mit einem dumpfen Schlag prallt sein Körper auf die Motorhaube, sein Kopf knallt gegen die Windschutzscheibe. Wäre "Holger" ein Mensch, wäre er möglicherweise tot: "Jeder dritte Fußgänger stirbt bei einem Unfall dieser Art", ist aus einem Lautsprecher zu hören. Doch "Holger" ist eine Puppe: Sein Körper ist mit Plastik umwickelt, sein Kopf eine Wassermelone. Eine Wassermelone, die in unzählige Stücke zerspringt, als sie gegen das Fahrzeug prallt.

"Der Pkw fuhr nur 30 km/h", erläutert Polizeihauptkommissar Uli Schulte von der Direktion Verkehr den Hintergrund der Unfallvorführung, "was man hier gesehen hat, ist einer der typischen Fußgängerunfälle in der Stadt." In einer Stadt wohlgemerkt, die mit 118 Verletzten und einem getöteten Fußgänger bei der Fußgängersicherheit in NRW den letzten Platz im Großstadtvergleich belegt. Mit dem Projekt "Sicher ankommen" der Polizei soll diese traurige Tendenz aufgehalten werden. "Es geht uns nicht darum, Knöllchen zu schreiben", sagt Schulte, "wir möchten eine Erkenntnis bei Fußgängern und Autofahrern erreichen, die zu einer Verhaltensänderung führt." Dafür sollen in diesem Jahr verschiedene Aktionen zur Prävention durchgeführt werden. Denn ein Drittel der Unfälle, weiß der Polizeihauptkommissar, werde von Fußgängern verursacht, zwei Drittel von Autofahrern. "Unfälle passieren häufig in Situationen wie Abbiegen oder Rückwartsfahren", die Unfallfolgen schließlich hätten viel mit der Geschwindigkeit des Wagens zu tun. Fußgänger indes schätzten die Entfernung und Geschwindigkeit von Autos oft falsch ein. "Wir möchten dieses Thema in allen Ebenen bewusster machen." Sechs Tote Fußgänger habe es 2009 im Bergischen Land gegeben, macht Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher deutlich, "das erschütterndste daran ist, dass es sich um alle Jahrgänge, von Kindern bis Senioren, handelt." Die Fußgänger seien immer die schwächsten Verkehrsteilnehmer, hätten keinen Helm oder Airbag. "Wir hoffen, dass wir den Menschen nahe bringen können, drei Mal zu gucken. Jeder sollte achtsam und aufmerksam sein."

Infos für Gruppen, Betriebe oder Schulen unter 0202 284 9521.

(RP)