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Solingen: Mehr Freiraum für Radfahrer

Solingen : Mehr Freiraum für Radfahrer

Radler dürfen jetzt die Fußgängerzone zwischen Kasinostraße und Kölner Straße benutzen. So soll in der City der Umweg über die von vielen Autos befahrene Goerdelerstraße vermieden werden. Die Stadt glaubt an ein gutes Miteinander von Fußgängern und Zweirädern.

Ariane Bischoff von der städtischen Agenda-Geschäftsstelle war eine der ersten Solingerinnen, die die neue Freiheit in der City testeten. Fortan ist es Radfahrern gestattet, ein Stück der Fußgängerzone in der Innenstadt zu befahren. Karl-Heinz Schmidt, Leiter des Stadtdienstes Planung, gab gestern die Verbindung von der Kasinostraße zur Kölner Straße an den Clemens-Galerien, die bislang allein Fußgängern vorbehalten war, für Zweiräder frei.

Ein Schild am Eingang der Fußgängerzone weist darauf hin, dass dieser Teilbereich nun auch von Radlern genutzt werden darf. Und Ariane Bischoff zeigte sich nach einer ersten "Probefahrt" – mit anderen Solinger Rad-Aktivisten – begeistert. "So kommen Radler sicherer durch die Innenstadt", sagte Bischoff, die selbst kurze Strecken in der Stadt gerne auf zwei Rädern zurücklegt.

Das wiederum ist ganz im Sinne von Politik und Verwaltung in Solingen. Darum wurde im vergangenen Jahr ein neues Radverkehrskonzept verabschiedet, das die Neuerung in der Fußgängerzone erst möglich machte. Um aus dem Bereich Graf-Wilhelm-Platz / Kölner Straße in Richtung Kasinostraße sowie Ostteil der Innenstadt zu kommen, ist es nun nicht mehr nötig, den gefährlichen Umweg über die Goerdelerstraße zu nehmen. Vielmehr haben Radler jetzt die Möglichkeit, die sichere Abkürzung quer durch die Fußgängerzone zu wählen. In Kürze wird auf der Kasinostraße noch ein Radweg eingerichtet, so dass dann eine durchgehende Radverbindung durch die City geschaffen ist.

"In anderen Städten hat man mit vergleichbaren Regelungen gute Erfahrungen gemacht", sagte Planungsfachmann Schmidt. Gleichwohl kündigte er an, das Rathaus werde die Entwicklung in Solingen genau beobachten. Denn um zur Kasinostraße zu gelangen, müssen die Radfahrer die Fußgängerzone auf der Hauptstraße überqueren, die nur für Fußgänger ist und auf der das Radfahren auch weiterhin verboten bleibt. Und dazu kommt, dass Radler, die von der Kölner Straße kommen, fortan das Zweiradverbot auf der Hauptstraße ignorieren könnten.

Tatsächlich benutzten schon bislang einige Radfahrer – verbotenerweise – die Hauptstraße. So auch gestern Mittag, als sich mehrere Radler innerhalb weniger Minuten zwischen den Passanten hindurch drängelten.

"Das ist aber eindeutig nicht gestattet und wird auch so bleiben", sagte Alessia Mainardi, beim Stadtdienst Planung für die Radverkehrsplanung zuständig. Ihr Chef Karl-Heinz Schmidt setzt wiederum darauf, dass sich auf der Kölner Straße das Miteinander von Radfahrern und Fußgängern einpendeln wird. "Da in diesem Bereich das Radfahren jetzt erlaubt ist, werden die Leute nicht mehr durchrasen, um bloß nicht erwischt zu werden", sagte Schmidt, der darauf verwies, in den zuständigen politischen Gremien und in der Verwaltung sei das Für und Wider einer Öffnung für den Radverkehr genau abgewogen worden.

Nach Ansicht von Ariane Bischoff überwiegen die Vorzüge. "Vor allem für Schüler, die mit ihren Rädern in der City unterwegs sind, wird es sicherer", ist die Mutter zweier Kinder überzeugt. Sie selbst ist schon seit Längerem auf zwei Räder umgestiegen. Und wenn sie doch einmal ein Auto braucht, so holt sie nicht mehr ihren eigenen Wagen aus der Garage. "Ich mache dann Carsharing", sagte Ariane Bischoff.

(RP)