Solingen: Medizinische Hilfe für die Schwachen

Solingen: Medizinische Hilfe für die Schwachen

Mit dem Medimobil fahren Ärzte und ehrenamtliche DRK-Mitarbeiter des Roten Kreuzes zu den Obdachlosen. Als weiteres Angebot kommt bald die Praxis ohne Grenzen hinzu. Für beide Projekte gibt das Lions-Hilfswerk je 5000 Euro.

Vier bunte Hände finden sich auf dem Rezeptblock der neuen Praxis ohne Grenzen. Hände, die das Zusammenwirken vieler zum Wohle jener symbolisieren, die dringend Hilfe brauchen. Medizinische Hilfe ist es in diesem Fall, die das Ärzte-Netzwerk Solimed bereits mit dem Medimobil und der Medikamententafel Obdachlosen, bedürftigen Familien und Menschen ohne Krankenversicherung unbürokratisch zukommen lässt. Motor dieser "Medizinischen Hilfe Solingen" ist der Arzt Dr. Christoph Zenses, der nun mit der neuen Praxis ohne Grenzen das nächste Projekt beinahe abgeschlossen hat.

Christoph Zenses hat festgestellt, dass es Menschen gibt, die sich nicht überwinden können, ins Medimobil zu kommen. Jene fahrbare Kleinpraxis, die einmal in der Woche zu den Obdachlosen der Stadt fährt und sie medizinisch versorgt. Ähnlich dem "Mainzer Modell" des Mediziners und Sozialpädagogen Professor Dr, Gerhard Trabert hat Christoph Zenses die Praxis ohne Grenzen aus der Taufe gehoben. Über der Beratungsstelle Faxe an der Hansstraße in Ohligs wird die neue Praxis im August erstmals ihre Türen öffnen zur kostenfreien fachärztlichen Behandlung und Beratung. Ultraschall- und EKG-Gerät stellte die Firma GE Healthcare zur Verfügung, es besteht in der Praxis die Möglichkeit kleiner Labor-Untersuchungen. In einem zweiten Raum der Praxis wird ein Psychotherapeut für die Patienten bereitstehen. "Depressionen und Zukunftsängste sind bei den Patienten, die ins Medimobil kommen weit verbreitet", sagt Christoph Zenses, der auch für die Praxis ohne Grenzen bereits zwölf Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fachrichtungen gewinnen konnte, die dort freiwilligen Dienst versehen.

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Eine willkommene Unterstützung für Medimobil und Praxis ohne Grenzen kommt vom Lions-Hilfswerk. Gestern überreichte der Lions Activity-Beauftragte Dr. Richard Sonnenschein 5000 Euro für das Medimobil, weitere 5000 Euro für die Praxis werden folgen. Das gestern zur Verfügung gestellte Geld stammt von der inzwischen ebenfalls verstorbenen Witwe eines Lions-Mitglieds, die bei ihrer Beerdigung auf Blumen und Kränze verzichte und verfügte, das Geld möge der Obdachlosenarbeit zukommen. Weitere 800 Euro, die bei ihrer Beerdigung gesammelt wurden, bekommt die Notschlafstelle.

Dr. Christoph Zenses kann das Geld für seine Projekte gut gebrauchen. Alleine im Medimobil sind rund 500 Menschen registriert, die dort Hilfe in Anspruch nehmen. Auch in der neuen Praxis rechnet der Mediziner und stellvertretende Vorsitzende der Solinger Tafel mit großem Andrang. Bei seiner Arbeit hat er längst festgestellt, dass es immer mehr Menschen gibt, die keine Krankenversicherung haben und sich daher weder Medikamente noch einen Arztbesuch leisten können.

(RP)
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