Solingen: Massiver Polizeischutz beim Rocker-Prozess

Solingen: Massiver Polizeischutz beim Rocker-Prozess

Der Mord hatte im Herbst bundesweit für Aufsehen gesorgt – und wohl auch deshalb herrscht ab heute am Duisburger Landgericht Alarmstufe rot. Denn von 11 Uhr an muss sich dort der 31-jährige Timur A., der dem Solinger Hells- Angels-Charter Midland zugerechnet wird, an zunächst einmal 13 Verhandlungstagen des Vorwurfs erwehren, im Oktober 2009 ein 32-jähriges Mitglied des mit den Hells Angels verfeindeten Rockerklubs Bandidos in der Ruhrgebietsstadt auf offener Straße regelrecht hingerichtet zu haben.

Zwar gehen die Verantwortlichen bei der Duisburger Polizei im Augenblick nicht davon aus, dass es zu Krawallen kommt, wie es sie bei ähnlichen Prozessen in der Vergangenheit immer wieder gegeben hatte. Gleichwohl wird die Polizei rund ums Landgericht sowie im Schwurgerichtssaal mit einem massiven Aufgebot für Ordnung sorgen. Denn nach dem Mord war die Szene in hellem Aufruhr gewesen. Unter anderem hatten Unbekannte Wochen nach der Tat mit Schüssen und einer Handgranate einen Anschlag auf das Solinger Hells Angels-Domizil in Aufderhöhe verübt. "Wir besitzen aber keine Erkenntnisse darüber, dass es wieder Ärger geben könnte", erklärte gestern eine Sprecherin des Wuppertaler Polizeipräsidiums unserer Zeitung.

Und darum sieht man zunächst einmal auch davon ab, im Umfeld der alten Gaststätte "Beim Öhm" besondere Maßnahmen zu ergreifen. "Wir werden im Rahmen des Streifendienstes das Objekt kontrollieren", fuhr die Sprecherin fort. Eine spezielle Bewachung des Hauses sei allerdings nicht geplant, hieß es aus Wuppertal weiter. Doch ob dem Frieden zu trauen ist, steht auf einem anderen Blatt. Beide Rockerbanden werden mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht. So gingen Ermittler nach dem Duisburger Mord – trotz späteren Dementis der Solinger Hells Angels – davon aus, ein Streit im Rotlichtmilieu könnte Hintergrund der Bluttat gewesen sein.

(RP)
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