Marode Bahnbrücken in Solingen sollen neu gebaut werden

Schienenverkehr in Solingen : Bahn prüft Erneuerung alter Brücken

Gleich mehrere Solinger Bahnbrücken könnten ersetzt werden. Das geht aus einem Dossier der Bahn AG hervor.

Seit etlichen Jahren schon sind Bauarbeiter damit beschäftigt, dem größte Wahrzeichen des Bergischen Landes wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Für rund 30 Millionen Euro saniert die Deutsche Bahn AG die Müngstener Brücke, die die beiden Nachbarstädte Solingen und Remscheid seit dem späten 19. Jahrhundert miteinander verbindet.

Dabei benötigt aber nicht allein der 107 Meter hohe stählerne Riese eine Art Schönheitskur. Andere Brückenbauwerke der Region sind ebenfalls in die Jahre gekommen. Weswegen bei der Bahn inzwischen Überlegungen existieren, einen Teil der maroden Konstruktionen zu erneuern. Das geht aus einem Dossier zum deutschlandweiten Zustand von Eisenbahnbrücken hervor, das der Konzern jetzt im Internet veröffentlicht hat und in dem auch eine Reihe von Solinger Brücken als potenziell erneuerungsbedürftig beschrieben wird.

Die Windfelner Brücke von 1892/93 ist die Vorbrücke der Müngstener Brücke. Eine Erneuerung wird von der Bahn geprüft. Foto: Meuter, Peter (pm)

So fallen beispielsweise die Brückenbauten an der Straße Schnittert in Ohligs sowie die Windfelner Brücke kurz vor Müngsten in die Zustandskategorien 4 beziehungsweise 3. Dies bedeutet im Klartext, dass laut Bahn für den Brückenbau in Ohligs bereits heute eine sogenannte Erneuerungsmaßnahme zu planen ist, während im Fall der Windfelner Brücke zumindest die Prüfung einer solchen Option ansteht.

Tatsächlich dürfte gerade eine umfangreiche Erneuerung der Windfelner Brücke in der Nähe des Halfeshofes nicht ohne Komplikationen für den Bahnverkehr vonstatten gehen. Immerhin ist das einige Zeit vor der Müngstener Brücke im Jahr 1893 fertiggestellte Viadukt mit einer Höhe von 40 Metern und einer Länge von 155 Metern das nach dem Stahl-Koloss von Müngsten zweitgrößte Brückenbauwerk auf der Strecke der heutigen S-Bahn 7. Was wiederum zur Folge hätte, dass eine Erneuerungsmaßnahme erhebliche Bauarbeiten rund um das Tal neben der Remscheider Straße nach sich ziehen würde.

Zumal auf der Bahnstrecke des „Müngsteners“ allein auf Solinger Stadtgebiet noch einige andere Brückenkonstruktionen von der Bahn AG in der Zustandskategorie 3 („Erneuerungsmaßnahmen sind zu prüfen“) aufgelistet sind. Dabei handelt es sich um die Brücken Felder Straße, Nacker Weg, Schaafenmühle Schmalzgrube und Neptunstraße, derweil an der unter anderem vom RE 7 und der RB 48 genutzten Strecke Ohligs – Köln die Bahnbrücken Erikaweg, Mainauweg, Rupelrath sowie Linde unter die Kategorie 3 fallen.

An der letztgenannten Bahnlinie liegt darüber hinaus ein weiteres Bauwerk, für das – neben der erwähnten Brücke Schnittert – bereits heute Erneuerungsmaßnahmen zu planen sind. So erscheint den Experten der Bahn auch die Brücke Bodlenberg derart sanierungsbedürftig, dass ein Neubau angezeigt erscheint.

Die Bahn sah sich am Montag zunächst nicht in der Lage, nähere Informationen zum Stand der Dinge beim größten betroffenen Bauwerk, der Windfelner Brücke, zum machen. In dem Dossier zum Zustand der Brücken weist der Konzern allerdings darauf hin, dass mit einer Einordnung in bestimmte Zustandskategorien keine „Aussage über die Betriebssicherheit“ verbunden sei. Vielmehr seien „selbst Brücken der schlechtesten Zustandskategorie für die Nutzung des Eisenbahnbetriebs sicher“. Ein Risiko bestehe nicht. Brücken, die nicht sicher seien, würden gesperrt. Dies war zuletzt 2011 in Müngsten der Fall.