Solingen: Markthändler in Sorge

Solingen: Markthändler in Sorge

Den Solinger Wochenmärkten bleiben insbesondere unter der Woche die Kunden weg. Mancher Händler hat deshalb schon das Weite gesucht. Die verbliebenen wollen aber nun mit Werbung und Festen für mehr Zulauf sorgen.

Franz Kunzl ist Stammgast auf dem Ohligser Wochenmarkt. "Jeden Dienstag und Samstag komme ich hierher, um Kartoffeln zu holen", erzählt der 70-Jährige. Seine bevorzugte Sorte: die "Linda", und die holt er stets bei Händler Herbert Ferres. "Die ist hier am besten", erklärt der Rentner.

Schon Ferres' Vater und Großvater waren mit dem Familienbetrieb auf dem Wochenmarkt vertreten. "Seit 1949", erzählt der Ohligser Obst- und Gemüsehändler. Doch die Zukunft sieht nicht rosig aus. "Der Wochenmarkt ist in einer Überlebenskrise", erklärte Ferres als Sprecher der Ohligser Markthändler in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung. "Der Markttag am Dienstag lohnt sich fast kaum noch, und mittwochs in Wald sieht es nicht anders aus." Die Zahl der Händler in Ohligs habe sich in den vergangenen Jahren fast halbiert, für die Besucher werde der Markt wegen der fehlenden Vielfalt immer unattraktiver. Weitere Händler seien – auch über städtische Gebührenerhöhungen von 41 Prozent zum 1. Januar 2010 – so verärgert, dass sie dieses Jahr ebenfalls aufhören wollen.

An manchen Tagen kaum Umsatz

"An manchen Dienstagen bekomme ich hier noch nicht einmal die Standmiete herein", berichtet Fischhändler Heinrich Marzoll. Grundsätzlich gefalle es ihm in Ohligs. "Aber was nutzt das, wenn ich keine Kundschaft habe?" Er überlegt zurzeit, ob er auch weiterhin an die Düsseldorfer Straße fahren wird. Seit 40 Jahren ist Peter Pfeiffer Gemüsehändler. Dienstags, donnerstags und samstags steht er in der City, freitags baut er auf dem Wochenmarkt in Wald seinen Stand auf. Hier hat der Besuch drastisch nachgelassen, beobachtet Pfeiffer. Sein Fazit: Der Markt in Wald kämpft. Die Konkurrenz sei sehr sehr groß, auch wegen der Discounter am Weyer.

  • Solingen : Warten auf den Hofgarten

Stoffbeutel für die Kunden

Bessere Werbung soll das Blatt nun wenden. In Ohligs ist am Sonntag, 2. Mai, erstmals ein Marktfest unter anderem mit Musik, Erdbeerbowle, Kartoffeln und Würstchen geplant. Darüber hinaus wollen die Beschicker aller klingenstädtischen Wochenmärkte ihren Kunden künftig etwas Besonderes an die Hand geben: Stofftaschen mit dem Aufdruck "Mein Wochenmarkt" und dem Solingen-Logo, wie es auch schon in manch anderen Städten üblich ist. 300 davon wollen die Ohligser Bezirksvertreter – nach einem spontanen einstimmigen Beschluss – finanzieren und am 2. Mai verteilen.

"Ein Wochenmarkt bietet nicht nur Einzelhandelsangebot, sondern einen Erlebniswert und Begegnung zwischen Jung und Alt", sagt Händler Ferres. Das finden auch Regina Cicka (50) und Mandica Richartz (61). "Man trifft hier Leute und hat eine nette Atmosphäre", sagen die beiden Ohligserinnen. Außerdem sei die Ware meist frischer als in einem Supermarkt. "Da zahle ich dann gerne etwas mehr dafür", erklärt Richartz. "Denn was habe ich davon, wenn der Rosenkohl irgendwo die Hälfte billiger ist, ich dafür aber auch die Hälfte wegschmeißen kann?"

Uwe Friesen sieht das genauso. "Wenn der Markt dienstags nicht mehr wäre, hätte Ohligs etwas verloren", sagt der 64-Jährige. "Ein Markt ist ein Stück Leben."

(RP)