Solingen: Malerei von Susanne Müller-Kölmel: Aus Distanz wird Nähe

Solingen: Malerei von Susanne Müller-Kölmel: Aus Distanz wird Nähe

Nein, antwortet Susanne Müller-Kölmel, auch wenn viele ihrer Bilder das vielleicht vermuten ließen, als eine politische Künstlerin verstehe sie sich nicht. "Auch in Bildern, in denen ich mich mit Themen wie Fremdheit, Zugehörigkeit und Flucht auseinandersetze, ist die Malerei das Wesentliche", erklärt die Malerin, deren Ausstellung "Rest or run" morgen um 15 Uhr in der Galerie SK in den Güterhallen eröffnet wird. "Aber natürlich müssen die Bilder auch inhaltlich stimmen."

Vielleicht ist ein Schlüssel zur Kunst der Solingerin die in ihrer Malerei vollzogene Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart - verbunden mit der sich dadurch eröffnenden Perspektive in die Zukunft. "Das einzige, das wir nicht verändern können, ist die Vergangenheit", zitiert Müller-Kölmel einen Satz von Professor Bazon Brock.

Die ersten Bilder, in denen Müller-Kölmel die beiden Zeitebenen mit Mitteln der Malerei miteinander verknüpfte, waren Störungen. Im Stile der klassischen Moderne gemalten Ausschnitten von Bildern von Matisse, Monet oder Bonnard - meist Stillleben von gedeckten Tischen - setzte die Künstlerin ein Störelement - etwa eine Computermaus, einen USB-Stick oder einen E-Book-Reader - entgegen. Diese Objekte der Gegenwart sind nicht immer schnell zu entdecken, ein genaues Schauen ist gefordert - was nicht nur für diese Werke der Serie "Wishing Table" gilt. Denn in fast allen neuen Bildern, die jetzt in der Galerie SK zu sehen sind, eröffnet sich die Doppelbödigkeit erst durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Motiven - und den anderen Werken. Susanne Müller-Kölmel präsentiert ihre Kunst nämlich als eine Gesamt-Installation, in denen alles Gezeigte miteinander verknüpft ist, alle Bilder und Objekte sich aufeinander beziehen.

Grundlage der Malerei sind überwiegend Fotografien. Gemalt allerdings werden immer nur Ausschnitte - wie in dem Bild "Swe(a)t home normal". Durch einen kleinen Eingriff verleiht Müller-Kölmel der Straßenszene gleich mehrere Bedeutungsebenen - durch das Hinzufügen eines einzigen Buchstabens auf der Einkaufstüte eines Discounters. Hinzu kommt ein Faible für Wortspiele. Beispiel: "Rest or run". Schnell gesprochen ergeben die Worte: Restaurant.

Die Ausstellung von Susanne Müller-Kölmel ist bis zum 28. Mai in der Galerie der Solinger Künstler in den Güterhallen zu sehen.

(RP)