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Solingen: Märchenpark bittet zum Höhenspaziergang

Solingen : Märchenpark bittet zum Höhenspaziergang

Pünktlich zum Ferienbeginn öffnet Bruno Schmelter sein Familienparadies im Ittertal. Er bietet neue Attraktionen für Groß und Klein.

"Dort oben müssen wir noch einmal mit der Motorsäge dran", sagt Bruno Schmelter (69) und deutet hinauf zu einem Baum im Märchenwald im Freizeitpark Ittertal, als er am Samstagmorgen seine Runde durch den Park macht. Der historische Freizeitpark öffnete nämlich trotz Kälte am Samstag für die diesjährige Saison erstmals seine Tore. Viel zu tun hatte Werner Simon, der Mann im Kassenhäuschen, nicht, denn angesichts von Kälte und Wind kamen am Samstag gerade einmal 25 Besucher in die nunmehr über 120 Jahre alte Anlage.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten Schmelter und seine Mitarbeiter, überwiegend fest angestellte Kräfte, den Park nach dem Winter wieder auf Vordermann gebracht. Die Karussells wurden gewartet, die ganze Anlage wieder adrett hergerichtet: Bis hin zu den bunten Stiefmütterchen auf den Tischen im Freien präsentiert sich das Ittertal in perfektem Zustand. "Nur auf das Wetter haben wir keinen Einfluss", sagt Schmelter, dem der Gedanke an die Ostertage sichtlich Unbehagen bereitet, denn Ostern ist die besucherstärkste Zeit der Anlage, die in den besten Zeiten 70 000 bis 100 000 Besucher zählte.

Ein Freizeitpark lebt vom Wandel, das weiß auch Schmelter, und in jedem Jahr fügt er seine "Herzensangelegenheit" neue Attraktionen hinzu. Beim Rundgang durch den Park zeigt er, was er sich dieses Jahr hat einfallen lassen: Zum Beispiel den Baumwipfelwanderweg, da können Groß und Klein auf mehreren Metern Höhe fast auf Niveau der Baumwipfel, spazieren, bis hin zu einer Rutsche. Eine neue Rutsche gibt es auch, einen Hang hinunter. Verwendet werden dafür Kokosmatten. "Unsere Leute haben das selbst schon getestet, die wollten gar nicht mehr aufhören mit der Rutscherei, auf den Matten geht es richtig schnell nach unten", berichtet der Parkbesitzer.

Schmelter, der aus einer Schaustellerfamilie stammt und erst kürlich sein langjähriges Amt als Vorsitzender des Schaustellerverbandes abgab, übernahm den Park vor elf Jahren. "Damals war der nach mehreren Besitzerwechseln eigentlich nur noch Schrott. Wir mussten alles neu machen", erinnert er sich. Doch im Laufe der Jahre entwickelte sich ein ansehnlicher Freizeitpark im idyllischen Ittertal. Ausgangspunkt ist der historische Märchenwald, zu dem auf geschwungenen Wegen ein kleiner Rundkurs hinführt. An vielen Orten sind Märchen nachgestellt, sind die Figuren zu sehen. Doch der Märchenwald kommt nicht mehr so richtig an in Zeiten von Spielkonsolen, Internet und DVD. "Gerade mal um die 15 Prozent der Besucher gehen noch in den Märchenwald, leider" — aus Schmelters Stimme spricht Traurigkeit. Zwar kommen gerade noch ausreichend Besucher, dass der Park keine Verluste macht, aber aus Solingen kämen maximal vier Prozent der Gäste, der Rest aus dem Umland, manche sogar aus Holland. Schmelter: "Uns haftet noch das alte Image von einem heruntergekommenen Park an, doch heruntergekommen ist hier nichts."

(RP)