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Solingen: Märchenhaft musiziert

Solingen : Märchenhaft musiziert

Die Bergischen Symphoniker hatten gestern die Solistin Jasmin Heider zu Gast.Die Nachwuchsviolinistin zelebrierte ihre Musik im Konzertsaal.

Geheimnisvoll und märchenhaft, wie es mitunter die wohlig warme Weihnachts- und die glitzernde Winterzeit ist, wirkt Camille Saint-Saëns’ Stück Introduktion und Rondo capriccioso op. 28 für Violine und Orchester. Solistin Jasmin Heider zelebrierte es im Rahmen des Weihnachtskonzertes der Bergischen Symphoniker am zweiten Weihnachtsfeiertag im Konzertsaal.

Zelebrieren ist die hier einzig treffende Vokabel. Ein einfaches „Spielen“ hätte den Vortrag der Nachwuchsviolonistin nicht hinreichend beschrieben. Denn sie fühlte scheinbar innig die breite, weiche Melodie der Introduktion, sie zog die Töne sacht und melancholisch hoch, sie nahm routiniert und spielerisch leicht die vielen Läufe, das trippelnde Herab des bekannten Rondos capriccioso, das eines der effektvollsten Werke des jungen Camille Saint-Saëns ist.

Hingebungsvolles Cellospiel

Voller Hingabe musizierte auch die junge Cellistin Anna-Lena Perenthaler während des Adagios con variazioni für Violoncello und Orchester von Ottorino Respighi. Naturalistische Wirkung entfaltete das warme Adagio durch Einsatz der Harfe und der Flöten. Und zu allererst machte es Perenthaler zu einem gefühlvollen Vortrag. Ihr Spielweise war wehmütig. Tief versunken, beinah eins mit der Musik schien sie am Cello. Mehr als die Hälfte des Konzertes bestritt Susanne Blumenthal als Dirigentin. Sie ist in dieser Saison Stipendiatin der Orchester Akademie. Ihr Stil ist ruhig und kühl. Mit weichen und eleganten Handbewegungen leitete sie das Orchester, streng wirkte sie mit ihren gestrafften Haaren, der großen schwarzen Brille und der hochgeschlossene schwarze Rollkragen unter dem schlichten Sakko. Aber die scheinbare Strenge täuschte. Nicht immer waren ihre Gesten karg und reduziert. In temporeichen Passagen konnte sie durchaus temperamentvoll werden, so dass man meinte, sie tanze auf der Partitur, dann spannte sie ihren Oberkörper, schüttelte sich beinah und gestikulierte stark. Zwischen der auf das wesentliche reduzierten Strenge und einigen effektvollen Bewegungen pendelte sie sich in der Mitte der zwei Extreme ein. So war sie in der Lage ein barockes und getragenes Adagio genauso überzeugend wie ein jazzig-weihnachtlicher „Sleigh Ride“ von Leroy Anderson anzuleiten.

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Gespannt muss man dieses Kontrastes wegen auch auf ihre Konzerttätigkeit im kommenden Jahr sein. Die Frage wird dann sein: Weniger vom Mehr und mehr vom Weniger oder aber Effekt und Temperament? Man darf also gespannt sein.

(RP)