Solingen: Mädchen öffnete Vergewaltiger die Tür

Solingen: Mädchen öffnete Vergewaltiger die Tür

Nachdem eine Elfjährige von einem Unbekannten missbraucht wurde, grassiert in Merscheid die Angst. Eltern trauen sich nicht mehr, ihre Kinder allein zur Schule zu lassen. Derweil fehlt vom Täter noch eine heiße Spur. Um den Fluchtweg des Mannes nachzuvollziehen, wurde am Tag nach der Tat ein besonderer Spürhund eingesetzt.

Gerade eben ist wieder ein Wagen der Polizei durch die Eifelstraße in Merscheid gefahren. Aber das kann Jessica Kratz an diesem vorfrühlingshaften Mittag nicht beruhigen. Ängstlich blickt sie nach hinten auf das unscheinbare Haus, in dessen Fenstern sogar noch Weihnachtsdeko hängt. "Entsetzlich", bringt die Solingerin heraus – und dann richten sich die Augen der jungen Frau ganz schnell wieder auf ihre siebenjährige Tochter Alisa, die sie gerade von der Schule abgeholt hat. Eigentlich ist Alisa ja schon ein großes Mädchen, das den Weg zur Schule auch alleine findet. Aber bis auf Weiteres wird die Erstklässlerin wieder von ihrer Mama morgens hingebracht und mittags eingesammelt.

Schon auf Schulweg aufgelauert?

Merscheid an Tag eins nach der Vergewaltigung einer elfjährigen Schülerin in der eigenen elterlichen Wohnung: Der ganze Stadtteil steht unter Schock. Am Dienstagmittag hatte ein bislang unbekannter junger Mann an der Tür der Familie in eben jenem unscheinbaren Haus mit dem Weihnachtsschmuck geklingelt. Und nachdem das Mädchen ihn hereingelassen hatte, nahm die Tragödie seinen Lauf. Der Täter, der nach Einschätzung von Oberstaatsanwalt Wolf-Timan Baumert der Kleinen bereits auf dem Schulweg aufgelauert haben könnte, vergewaltigte das schutzlose Kind, dessen Mutter noch bei der Arbeit war. Jetzt fahndet die Polizei fieberhaft nach dem Sexualverbrecher. Eine Sonderkommission mit dem Namen "Eifel" sowie sechs Beamten wurde eingerichtet.

Doch obwohl die Ermittler praktisch rund um die Uhr im Einsatz sind, fehlte bis gestern noch eine heiße Spur vom Täter – was nicht unbedingt zur Beruhigung der Menschen rund um die sonst so wohnliche Eifelstraße beiträgt. Wut und Angst machen sich breit. Wut auf den Täter, der dem Mädchen das Unvorstellbare antat. "So einen kann man gar nicht hart genug bestrafen", meint zum Beispiel Emilio Marco, der selbst Enkel hat.

Und Angst, weil mit einem Schlag alle Sicherheit wie weggefegt erscheint. "Fürchterlich, jetzt sind unsere Kinder noch nicht mal mehr zuhause geschützt", entfährt es Marlies Rahl, als sie von dem Verbrechen hört. Sie hat eine 16-jährige Tochter, und wie alle in der Gegend treibt es die Merscheiderin um, dass der Vergewaltiger weiter auf freiem Fuß ist.

Elfjährige rief ihre Mutter an

Als der Mann am Dienstag schließlich von seinem Opfer abließ und flüchtete, rief das seelisch tief traumatisierte Kind seine Mutter an der Arbeitsstelle an, woraufhin die entsetzte Frau ihrerseits die Polizei alarmierte. Die Beamten gehen zum jetzigen Zeitpunkt sowie nach der Beschreibung, die die Kleine von dem Unbekannten geben konnte (siehe Kasten), nicht davon aus, dass ein Zusammenhang mit den Angriffen auf zwei städtische Putzfrauen vergangene Woche besteht. Dies erklärte gestern ein Sprecher unserer Zeitung.

Aber das kann die Menschen im Stadtteil Merscheid kaum beruhigen. "Ich hoffe nur, dass man den Täter so schnell wie möglich bekommt", fasst Jessica Kratz die Stimmung im Viertel in Worte und nimmt Töchterchen Alisa an die Hand.

Zudem habe die Polizei am Mittwoch umfangreiche Spuren des Täters in der Wohnung sicher gestellt. Dieser Fall wird nun mit anderen Fällen verglichen, um mögliche Übereinstimmungen herauszufinden.

(RP)