LVR weiht psychiatrische Klinik in Solingen ein

An der Frankenstraße : LVR weiht psychiatrische Klinik ein

An der Frankenstraße können psychisch Erkrankte künftig auch stationär behandelt werden.

An der Frankenstraße ist gestern das psychiatrische Behandlungszentrum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) eröffnet worden. In direkter Nachbarschaft zum Städtischen Klinikum können dort künftig Patienten mit psychischen Erkrankungen nicht nur ambulant, sondern auch stationär behandelt werden. In dem Neubau gibt es 40 Betten auf zwei Stationen. Rund 10,2 Millionen Euro habe der LVR in das Zentrum investiert, sagte Andreas-Paul Stieber, Vorsitzender des Krankenhaus-Ausschusses 2 des LVR. Bis Jahresende sollen die neue Teilklinik, die an die Klinik Langenfeld angedockt ist, und die beiden psychiatrischen Ambulanzen ihre Arbeit aufnehmen.

Denn noch sind nicht alle Bauarbeiten abgeschlossen. Das zweite Obergeschoss des neuen LVR-Zentrums konnten die Gäste gestern aber bereits besichtigen. Der Neubau ist hell, durch das Treppenhaus in den kräftigen LVR-Farben Blau und Grün führt der Weg nach oben. Dort lassen bodentiefe Fenster viel Licht herein und eröffnen den Blick auf die Bäume an der Frankenstraße. Für die Patienten gibt es neben den Zimmern einen Wohnbereich mit Blick auf den Innenhof und eine großzügige Küche. „Hier kann man in der Gemeinschaft genesen“, sagte die Leiterin des Zentrums, Chefärztin Dr. Florence Hellen. Die Mitarbeiter seien an der Gestaltung des Neubaus beteiligt worden.

Die 40 Behandlungsplätze waren bislang in der LVR-Klinik Langenfeld angesiedelt und werden nun verlegt. Unter den Mitarbeitern sei die Bereitschaft groß, nach Solingen zu wechseln, berichtete Pflegedienstleiter Wolfgang Neues. „Als gebürtiger Solinger bin ich besonders stolz auf das neue Behandlungszentrum.“ Für die Patienten sei die wohnortnahe Versorgung „essenziell“, sagte Dr. Hellen. Die Fachärztin für Psychiatrie nennt Beispiele: So könne eine Mutter mit postnataler Depression nun im engen Kontakt zur Familie genesen oder Patienten nach einem Burnout schrittweise an ihrem Wohnort wieder in Arbeit eingegliedert werden.

16 Betten stehen an der Frankenstraße künftig für Menschen zur Verfügung, die an Depressionen oder einem stressbedingten Burnout-Syndrom leiden. Auf der zweiten Station der LVR-Teilklinik mit 24 Plätzen werden Menschen mit anderen psychiatrischen Erkrankungen behandelt: von Psychosen über bipolare Störungen und Zwangserkrankungen bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen. Zusätzlich gebe es weiterhin 24 Betten für Solinger Patienten in Langenfeld.

Neben der stationären 24-Stunden-Versorgung werden an der Frankenstraße noch zwei allgemeinpsychiatrische Ambulanzen arbeiten, erklärte die LVR-Dezernentin für den Klinikverbund, Martina Wenzel-Jankowski. Sie hob die Nähe zum Städtischen Klinikum hervor: „Menschen mit psychischen Erkrankungen werden nun dort behandelt, wo andere Erkrankte auch behandelt werden.“ Schon lange gebe es eine enge Zusammenarbeit mit dem Psychosozialen Trägerverein und der Stadt.

Mit dem Behandlungszentrum wolle man Menschen mit psychischen Erkrankungen mitten in der Gesellschaft integrieren, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Lange seien Betroffene stigmatisiert worden, wenn sie in die Klinik nach Langenfeld mussten. „Jetzt schicken wir sie nicht mehr weg.“ Kurzbach forderte, mehr auf das Thema psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen.

Dass es für die Betroffenen nun eine Klinik direkt neben dem Klinikum Solingen gibt, begrüßte auch Prof. Dr. Thomas Standl, der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums. „Das ist auf jeden Fall eine Bereicherung. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Auch wir haben viele Patienten mit Begleiterkrankungen.“

Mehr von RP ONLINE