Solingen: Lurche in Solingen - Orcas auf Teneriffa

Solingen: Lurche in Solingen - Orcas auf Teneriffa

Als Elfjähriger ging er in der Solinger Fauna mit den Tieren auf Tuchfühlung, später wurde Wolfgang Rades Tierpfleger. Von den Orcas auf Teneriffa ist er nun ins Bergische zurückgekehrt. Ein Besuch im Affen- und Vogelpark Eckenhagen.

Birdy hüpft von ihrem Ast auf den ausgestreckten Arm. Der bunte Ara-Papagei lässt sich die Einladung zum Ausflug durch den Park in Eckenhagen nicht entgehen. Wolfgang Rades, der gerade ins Geschäftsführer-Team des Affen- und Vogelsparks gewählt wurde, nimmt die Gelegenheit ebenso gerne wahr.

$ Der Affen- und Vogelpark Eckenhagen ist die neue Arbeitsstätte des 61-Jährigen. $ Der Affen- und Vogelpark Eckenhagen ist die neue Arbeitsstätte des 61-Jährigen. Foto: Rades

Kaum spazieren die beiden durch den Park, bekommen sie Gesellschaft. Kinder nähern sich vorsichtig dem Gespann. Eine alte Dame bietet Birdy ein paar Sonnenblumenkerne an. Und ein Mann zückt sein Handy und fotografiert. "Genau das habe ich mir gewünscht, als ich Tiergärtner wurde: Begegnungsstätten für Menschen und Tiere", sagt Wolfgang Rades.

Als Tiergärtner hat sich Wolfgang Rades immer gewünscht, Begegnungsstätten für Menschen und Tiere zu schaffen. Foto: lena Hogekamp (2) Rades (privat / 2)

Schließlich seien es Menschen, die den Lebensraum für Tiere wie Birdy unter den Schwingen der Tiere abholzen würden. "Aber was der Mensch kennt, das kann er schützen", sagt der gebürtige Solinger. Damit hat er seine Motivation für den arbeitsintensiven Beruf auf den Punkt gebracht.

Im Grunde begleitet ihn dieses Gefühl seit er damals im heimischen Solingen an einem Dienstagabend zum ersten Mal Bernhard Grzimek im Fernsehen sah. Danach verpasste er keine Sendung. Er war gerade zehn und begann Briefe an den berühmten Tierarzt und Verhaltensforscher zu schreiben.

Und er bekam Antwort. "Irgendwann empfahl mir Bernhard Grzimek, mich für einen Tierpark zu engagieren", erzählt Wolfgang Rades. Als Elfjähriger sprach er also in der Solinger Fauna vor, wurde ehrenamtlicher Helfer, landete mit seinem Engagement in der Tageszeitung und fing Feuer.

"Damals hatte ich auch den Plan, die Wupper zu retten", erzählt er. Lurche, Fische und Kriechtiere sollten sich in dem Gewässer wohlfühlen. "Stattdessen war es eine Industriekloake", erinnert sich der 61-Jährige. Keine Frage also, dass er nach der Schule zum Biologiestudium erst nach Düsseldorf und dann nach Bonn ging. Zur Diplomarbeit kehrte er nach Solingen zurück: "Untersuchungen zur Ökologie und Verbreitung der Kriechtiere und Lurche des Solinger Raumes" lautete der Titel der Arbeit.

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"Damals brauchte ich ein halbes Jahr, um überhaupt mal eine Waldeidechse zu sehen." In der vergangenen Woche hat Wolfgang Rades seiner Mutter in Solingen einen Besuch abgestattet. "Beim Spaziergang in der Ohligser Heide habe ich drei Waldeidechsen gesehen", sagt er. "Ich war völlig aus dem Häuschen."

Rades ist Naturfreund geblieben - trotz der Käfige. Nach Stationen im Tierpark Bochum, im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde und im Naturschutz-Tierpark Herborn trat er 2015 die Leitung des "Loro Parques" auf Teneriffa an. Orcas, Delfine, Löwen: "Ich bin als Kritiker auf Teneriffa angekommen", erinnert er sich. Ihm gefiel die Vorstellung von Orcas in Betonbecken nicht.

Aber der " Loro Parque" belehrte ihn eines Besseren. "Die Tiere haben alles, was sie brauchen", sagt er heute. Sie würden in sozialen Gruppen mit wechselnden Partnern leben, hätten hinreichende Bewegungsmöglichkeiten und engagierte Pfleger. 22 Millionen Liter Atlantikwasser würden für die Orcas aufbereitet und auf 13 Grad gekühlt. "An der Show nehmen sie nur teil, wenn sie Lust haben", sagt Rades.

Wer ihn nach der Vereinbarkeit von Käfigen und Tierschutz fragt, dem erklärt er seine Überzeugung: Tiere könnten sich wie Menschen bis zu einem gewissen Grad an ihren Lebensraum anpassen, so lange sie alles haben, was sie brauchen. "Der Mensch begann ja auch als Jäger", sagt Rades. "Dann gab er es auf, weil er nicht mehr jagen musste."

Während Wolfgang Rades seine Tour mit Birdy beendet, informiert ihn ein Mitarbeiter darüber, dass die Hausschweine wieder ausgebüxt seien. "Ich komme sofort", sagt Rades und ist in seinem Element. "Ich bin aus Teneriffa weggegangen, weil ich keinen Kontakt mehr zu den Tieren hatte", erzählt er auf dem Weg zu den Schweinen. Irgendwann habe er begonnen, die Delfin- und Orcapfleger um ihre Arbeit zu beneiden.

Als der Anruf von Dr. Werner Schmidt und Sohn Ludger aus Eckenhagen kam, zögerte Rades nicht und griff zu. Bereut hat er es nicht. "Als der Winter nicht enden wollte, bin ich kurz unruhig geworden", sagt Rades und lacht. Aber es dann wurde Frühling - und er durfte wieder Tiergärtner sein.

(resa)