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Solingen: Löhrmann mit Grün am Ziel ?

Solingen : Löhrmann mit Grün am Ziel ?

In einer rot-grünen Minderheitsregierung würde die Solingerin und Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann Stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin hinter Hannelore Kraft werden.

Es war ein Wechselbad der Gefühle für die Solingerin Sylvia Löhrmann – gestern wohl mit einem positiven Ende: Die 53-Jährige soll in der Minderheitsregierung von SPD und Grünen Stellvertretende Ministerpräsidentin hinter Hannelore Kraft werden, "wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert", wie es Löhrmann gestern ausdrückte. Die Frage, ob sie sich freue, entlockte ihr ein hörbares Lächeln: "Ach wissen Sie, ich bin ein eher nüchterner Mensch." Wer sie kennt, weiß allerdings, dass sie sich aber auf jeden Fall darauf freut, in diesem Land die Politik zu machen, die sie für wichtig und richtig hält.

Gestern meldete sich Kraft

Am Abend der Landtagswahl am 9. Mai hatte Löhrmann ihre Grünen mit dem Koalitionspartner SPD bereits in der Regierung gesehen. Die langjährige Fraktionsvorsitzende im Landtag selbst war für wenige Stunden Stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin hinter Hannelore Kraft. Doch am nächsten Morgen kam die Katerstimmung; die CDU hatte denkbar knapp die Nase vor der SPD; und SPD und Grünen fehlte genau ein Sitz zur Mehrheit. Nachdem die Sondierungsgespräche mit den Linken scheiterten, hatte Löhrmann ihren Traum, grüne Politik in NRW zu gestalten, bereits zu den Akten gelegt. Sie sei sich ziemlich sicher gewesen, dass CDU und SPD sich zu einer großen Koalition zusammenraufen, sagte sie gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Was diese nicht taten – vor allem, weil Jürgen Rüttgers nicht von seinem Stuhl weichen wollte.

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Die Idee der Genossen, aus der Opposition heraus agieren zu wollen, fand bei den Grünen keine Freunde. "Politikwechsel braucht Regierungswechsel", wurde Löhrmann nicht müde, zu formulieren. Obwohl die SPD sich am Wochenende noch in mehreren Regionalkonferenzen das Okay geholt hatte, aus der Opposition heraus mit den Grünen eigene Ansätze durchzusetzen, kam gestern nun die Wende.

Am Vormittag habe sich Hannelore Kraft bei ihr gemeldet, erzählt Löhrmann. Nachdem in den grünen Gremien umgehend Zustimmung zu einer Minderheitsregierung signalisiert wurde, gehe es nun darum, so Löhrmann, zügig in die Koalitionsverhandlungen einzusteigen. In den Sondierungsgesprächen habe man ja bereits eine Menge "Gemeinsamkeiten festgezurrt". Ob das auch bedeutet, dass die frühere Gesamtschullehrerin Löhrmann im neuen Kabinett tatsächlich Schulministerin wird, dazu wollte sie sich gestern nicht äußern: "Erst kommt die Sach- und ganz am Ende die Personalpolitik."

Dass sich nun politische Gegner und Medien auf die SPD stürzen und aus der designierten Ministerpräsidentin in Anlehnung an Andrea Ypsilanti eine Kraftilanti machen, sieht Löhrmann gelassen. "Wir haben im Landtag zehn Stimmen Vorsprung zu schwarz-gelb." Anders als in Hessen reicht in NRW im vierten Wahlgang eine einfache Mehrheit; Ja-Stimmen von den Linken bräuchte rot-grün nicht.

Rüttgers selbst sei es doch gewesen, der in den vergangenen Tagen immer davon gesprochen habe, dass sich alle zum Wohle des Landes zusammen raufen müssten, sagt Löhrmann und fordert dies nun vom Noch-Amtsinhaber ein. "Nun kann er beweisen, dass er es ernst gemeint hat, auch wenn der Ministerpräsident nicht mehr Rüttgers heißt." Für Sylvia Löhrmann ist eine Minderheitsregierung auch eine Chance "für ein neues Miteinander". In Skandinavien funktioniere so etwas gut, schaut sie optimistisch nach vorne.

(RP)