Lichternacht: Eine Licht-Reklame für Solingen

Solinger Lichternacht : Eine Licht-Reklame für die Klingenstadt

Im Südpark erfreuten sich am Samstag tausende Besucher an der 13. Lichternacht. Die zog sich vom Südpark bis zur Lutherkirche.

„Das ist, als hätte man noch Lichteffekte dazugebucht“, freuten sich Marisa und Michael Prawinski. Das Brautpaar feierte mit zahlreichen Gästen in der alten Schalterhalle des einstigen Hauptbahnhofs und konnte durch die Fenster einiges von der Lichternacht im Südpark miterleben. Um alles zu erfassen, brauchte man Stunden – und viele Besucher brachten die Zeit mit. Der von den Verkehrshelfern betreute Parkplatz auf dem früheren Omega-Gelände wurde zeitweise wegen Überfüllung geschlossen.

„Das Leben ist ganz schön anstrengend“, kommentierte Güde-Chef Karl-Peter Born mit Ironie. „In Solingen muss man schon Kondition haben, um die ganzen Feste durchzuhalten.“ 2018 hatte die Lichternacht unter dem schlechten Wetter gelitten. An diesem Samstag war es draußen fast 18 Grad warm, als Wolf Codera gegen 23 Uhr in der Lutherkirche zum „Rocketman“ ansetzte – und die Nacht noch lange nicht zu Ende war.

„Die Konzerte waren alle gut besucht“, freute sich Hansjörg Schweikhardt vom Lutherkirchen-Bauverein. „Wir haben schätzungsweise 1200 Leute hier gehabt.“ Auch die Möglichkeit, den Turm zu besteigen, wurde genutzt – etwa vom Posaunenchor der Heilsarmee, der nicht nur in der Kirche spielte. Es war eine Lichternacht für alle Sinne, die sich zwar hauptsächlich auf den Südpark beschränkte, diesmal aber auch die Alexander-Coppel-Straße einbezog.

Yvette Endrijautzki (r.) und Excit3D- Chefin Katrin Burkatzki mit Nachbildungen der Collage „Mater Dei“. Foto: Fred Lothar Melchior

Dort wurden zur Musik von „The Pirates of Love“ Bilder aus den Ateliers auf eine Wand des Lebenshilfe-Gebäudes projiziert, gab es Autorenlesungen und eine Ausstellung mit Lichtobjekten von Schülern des Technischen Berufskollegs. „Ich finde es toll, dass es im Bergischen viele Kunstausstellungen gibt“, lobte Stefan Barz. Der in Wuppertal lebende Lehrer und Schriftsteller las aus seinem neuen Eifelkrimi „Spiel des Bösen“ und hatte auch drei Schüler des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums aus Remscheid mitgebracht.

Lob kam auch von Galerist Manfred van Remmen. „Da sind ein paar tolle Sachen dabei“, sagte er im ehemaligen Felix-Werk, wo nicht nur gesprayte Kunst zu sehen war. Eines der Bilder, der „Gedankenpalast“, stammte vom in Solingen lebenden Maler Andre Peer. „Es hat einen Anflug, als wenn Solingen eine Kunstszene hätte“, kommentierte Peer verschmitzt – „während Wuppertal und Remscheid sich schwertun“.

Den Blick von außen brachten die Malerin Ciana Fitzgerald aus Irland und ihr deutscher Partner Sasha Krohn mit. Das in Leipzig lebende Paar kritisierte, dass in der Kunst vieles banal geworden sei: „Geht es nur noch darum, die Leute zu provozieren?“ Die Wertschätzung für Kunst habe gelitten. Da tue es gut, dass es im Südpark ein „unheimlich enges Netzwerk“ von Künstlern gebe, die sich gegenseitig unterstützten.

Rund um das Felix-Werk gibt es viele neue Graffiti. Foto: Fred Lothar Melchior

Krohns Auftritt gehörte zu den Highlights der Lichternacht – und kam doch mit zwei Taschenlampen in sonstiger Dunkelheit aus. Die Nummer des Luftakrobaten, die auf eine Leinwand vor der Galerie übertragen wurde, dauerte zehn Minuten. „Das ist der anstrengendste Teil einer Solo-Show, die normalerweise über 35 Minuten läuft“, erklärte der 34-Jährige, der seit rund zehn Jahren auftritt und bei der Lichternacht mit Strapaten (Bändern) arbeitete.

Beifall gab es auch für Marvin Dillmann (Didgeridoo) und Yvette Endrijautzki (LED Poi Jonglage), die dreimal auf der Außenbühne auftraten, wo auch Jeremy Green mit seinen Schülern einen neoklassischen Tanz präsentierte. Endrijautzki war außerdem mit Nachbildungen ihrer Collage „Mater Dei“ vertreten, die bei Excit3D gefertigt worden waren. Die Firma war mit einem kombinierten 3D/2D-Drucker und Brillen zum Betrachten einer virtuellen Stadtszene vor Ort.

Dier Solinger Lichternacht 2019 war erneut sehr gut besucht. Foto: Fred Lothar Melchior

Alles andere war sehr real: von der Live-Spray-Performance des Künstlers Marko Leckzut (mit Schwarzlichtfarben) über bunt dekorierte Tische bis zu „recycelten“ Lichtobjekten früherer Jahre. Auch die Nachbarschaft hatte sich ins beste Licht gesetzt: Die renovierten Häuser der früheren Postsiedlung strahlten wie die Südpark-Klinik bunt. Peter Amann, der sich am Nachmittag mit anderen Künstlern und Sponsoren der Lichternacht sowie OB Tim Kurzbach getroffen hatte, war zufrieden: „Für mich ist es eine Anerkennung, wenn er kommt. Daran kann man auch den Status unseres Vereins ablesen.“

(flm)
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