Solingen : Leichte Beute

Weil die Aufbrüche von Fahrzeugen wieder zugenommen haben, macht die Polizei in dieser Woche mit einer Aktion darauf aufmerksam, dass Wertgegenstände nicht ins Auto gehören. Die Fahrer reagieren mit Verständnis.

Parkplatz Gotenstraße vor dem Klinikum. Auf dem Beifahrersitz liegt eine prall gefüllte Handtasche, obendrauf ein Schlüsselbund. Eine weitere Handtasche liegt im Fußraum, auf dem Rücksitz ein bis zum rand gefüllter Einkaufskorb. Für Autoknacker gleich mehrere Anreize. Wenn der Fahrzeugbesitzer zurückkommt, wird er einen Zettel an der Windschutzscheibe finden. „Gelegenheit macht Diebe“, heißt es da und auch die Aufforderung, gemeinsam mit der Polizei die Straßen sicherer zu machen, steht auf dem Din-A-4-Blatt. Die Aktion des Polizeipräsidiums Wuppertal in den drei bergischen Großstädten läuft seit Montag und endet heute. Allein in Solingen sind mehr als 20 Polizeibeamte unterwegs. Doch nicht nur mahnende Zettel werden verteilt, auch wenn Autofahrer alles richtig gemacht haben, bekommen sie einen Hinweis von der Polizei.

Besonders beliebt bei Autoknackern sind mobile Navigationsgeräte. „Um 77 Prozent ist hier die Zahl der Diebstähle aus Kraftfahrzeugen gestiegen, erklärt Ulrich Seilheimer, Sachbearbeiter für Diebstähle aus, an und von Kraftfahrzeugen in der Polizeiinspektion an der Goerdelerstraße. Auch insgesamt gibt es wieder mehr aufgebrochene Autos als in den Jahren 2005 und 2006, wo die Zahlen leicht rückläufig waren. Grund genug für die Polizei, mit einer entsprechenden Aktion die Autofahrer zu sensibilisieren.

Ein Auto aufzubrechen, das dauert meist nur Sekunden, weiß Seilheimer. Einschlagen der Seitenscheibe, Tür unter dem Schloss aufbohren oder einen Gegenstand ins Schloss stecken sind die gängigsten Methoden. Aus den Fahrzeugen werden neben den mobilen Navigationssystemen bevorzugt Handys, Notebooks, Handstaschen oder Kameras gestohlen. Ulrich Seilheimer erinnert sich an einen Fall, in dem eine Frau Schmuck im Wert von 30 000 Euro in ihrer Handtasche im Auto ließ. Besonders beliebt bei den Autoknackern sind Parkhäuser, die Parkplätze im Bereich des Parkfriedhofes an der Wuppertaler Straße, in der Ohligser Heide und am Klinikum.

262 Mal wurde in vergangenen Jahr in Solingen ein Auto aufgebrochen. Die Aufklärungsquote ist mit 26,4 Prozent hoch. Wer einen Autodieb auf frischer Tat ertappt, sollte nicht selbst aktiv werden. „110 anrufen“, rät Ulrich Seilheimer.

Auf dem Parkplatz an der Gotenstraße waren gestern fünf Polizistinnen und Polizisten damit beschäftigt, Zettel zu verteilen, die von vielen im ersten Moment als Strafzettel angesehen wurden. Doch als die Autobesitzer mitbekamen, um was es geht, reagierten sie überaus verständnisvoll, berichtet Michael Rüsch, Polizeikommissar der Bereitschaftspolizei Wuppertal, der gestern mit seinen Kollegen vor Ort war. „Sie haben ja Recht“, mit diesen Worten hätten auch viele Kraftfahrer reagiert, die wertvolle Dinge im Auto liegen gelassen hatten.

Nicht zu denen gehört Birgit Hahne, die gerade ihr Fahrzeug auf dem Parkplatz vor dem Klinikum abstellt. Ihr Navigationsgerät ist in ihrer Handtasche, sobald sie da Fahrzeug verlässt. Und auch sonst hat sie nichts Wertvolles in ihrem Geländewagen zurückgelassen. Sieht man einmal ab von den beiden imposanten Hunden der Rassen Pointer und Tiroler Gebirgsschweißhund. Denn die, so Birgit Hahne, sind sozusagen ihre doppelte Alarmanlage.

(RP)
Mehr von RP ONLINE