Ausstellung in Solingen Lebensader für die Kultur in den Räumen der Kanzlei

Solingen · Die Solinger Malerin Susanne Müller-Kölmel zeigt seit Freitag verschiedene Werkreihen zum Thema Lebenslinien in der Kanzlei Heinekamp und Zielke.

Susanne Müller-Kölmel stellt in den Räumen von Fabian Zielke, Tim Heinekamp und Torsten Zielke (v. l.) ihre Werke aus.

Susanne Müller-Kölmel stellt in den Räumen von Fabian Zielke, Tim Heinekamp und Torsten Zielke (v. l.) ihre Werke aus.

Foto: Güdney Schneider-Mombaur

Mit der Ausstellung von Susanne Müller-Kölmel setzt die Steuerberatungskanzlei Heinekamp und Zielke in Gräfrath ihre seit 2006 etablierte Ausstellungsreihe „Kunst in der Kanzlei“ im neuen Bürogebäude am Dycker Feld fort.

Eine klare funktionale Architektur, erstellt in nach-haltiger Modulbauweise, sowie eine minimalistisch akzentuierte Innenraumgestaltung prädestinieren die neuen Räume optimal für eine galerieartige Nutzung. Flure und Besprechungsräume sind großzügig, hell und mit viel Glas transparent gestaltet, sodass die ausgestellten Exponate fast museal zur Geltung kommen. Ein Glücksfall für die Künstlerin und ein interessantes Konzept auch gleichermaßen für Mitarbeiter, Klienten und Besucher, die unmittelbar im Arbeitsumfeld Kunst in der Kanzlei begegnen können. Ein niederschwelliges Angebot, das Kunst im Leben verankert. Hierzu passt der thematische Ansatz der Malerin Susanne Müller-Kölmel perfekt.

„Life line“ – lebenswichtige Verbindung, Rettungsseil, Lebensader – der Titel der aktuellen Ausstellung umreißt das künstlerische Programm von Müller-Kölmel. Kunst ist für sie nicht nur lebensnotwendig, sondern ihre motivischen Vorlieben gelten den großen Lebensthemen: Lebenszeit, Erinnerung, Zukunft, existenzielle Erfahrungen und biografische Kontexte. In Gräfrath erhält der Besucher einen umfassenden Überblick über die Werkreihen von 2012 bis heute durch die Präsentation von fast 90 Arbeiten.

Im Erdgeschoss des Bürogebäudes dominieren die meist großformatigen Acrylbilder der Serie „Lost places“, die vornehmlich Solinger Architekturmotive zeigen, wie wir sie nur noch in Erinnerung haben, weil sie so nicht mehr existieren: die Badeanstalt am Birkenweiher, der alte Hauptbahnhof, das Turmhotel, das Büdchen am Bismarckplatz. Die Darstellungsweise ist nicht naturalistisch. Ein Hauch von Rosa bestimmt die Farbigkeit und macht die Gebäude zu Symbolen einer erinnerten Vergangenheit. Erinnerung verarbeitet Susanne Müller-Kölmel auch in ihren Memorial Books, die sie seit 2010 realisiert. In kleinformatig gefalteten Papier-Leporellos hält die Künstlerin jeden Tag einen besonderen Moment fest, den sie in ihr Erinnerungsarchiv aufnimmt.

In der Ausstellung kann der Besucher nicht nur einen solchen Buchblock, zusammengehalten mit einer Banderole, betrachten, sondern auch zwei entfaltete Bücher mit je 365 Einzelbildchen. Je ein 4,50 m langes und 45 cm breites Jahreskonvolut von 2019 und 2021 hängt im offenen Treppenhaus.

„Faltung“ ist auch das Thema einiger großformatiger Arbeiten im Obergeschoss. Ähnlich wie die Strukturen und Ornamente verarbeitenden Musterlandschaften, die „Patternscapes“, sind auch die „Faltungen“ abstrahierte Gestaltungen, allerdings in einem freien malerischen Duktus. Diese delikate malerische Wirkung findet sich auch in den Blumenstücken „I need flowers“ oder der Blumentischdecke, die zusätzlich eine raumplastische Eigenschaft hat. Malerei, Zeichnungen und Objekte in ungewöhnlichem Materialmix erschließen die künstlerische Welt von Susanne Müller-Kölmel und ihren Blick auf das sich immer wieder wandelnde Leben.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort