Solingen: Lapawa darf Bahnhof abreißen

Solingen: Lapawa darf Bahnhof abreißen

Das Verwaltungsgericht hat Freitag entschieden, dass Eigentümer Siegfried Lapawa den denkmalgeschützten Gräfrather Bahnhof abreißen darf. "Wir hätten uns größere Chancen ausgerechnet", heißt es von der Stadt.

Das zähe Ringen um den alten Gräfrather Bahnhof hat gestern Nachmittag vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht ein Ende gefunden: Eigentümer Siegfried Lapawa darf, so das Urteil, das marode Gebäude abreißen. Dieses verpflichtet die Stadt, die Abbruchgenehmigung zu erteilen und das Haus aus der Denkmalliste zu streichen.

Nach zwei Sachverständigen-Gutachten zu den Umfängen der aufgetretenen Schäden und der erforderlichen Restaurierungsarbeiten kam das Gericht dabei zu dem Schluss, dass die erforderlichen Arbeiten faktisch zu einer Neuerrichtung des Gebäudes führen würden. Während man bei der Stadt nun zunächst einmal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten möchte, sieht sich Eigentümer Lapawa bestätigt: "Wir sind sehr erfreut, dass das Verwaltungsgericht so entschieden hat, wie ich und meine Mitarbeiter es erhofft haben", teilte er gestern mit.

Schwamm- und Schimmelbefall

Bei den notwendigen Arbeiten, so Dr. Gerd-Ulrich Kapteina, Pressedezernent des Verwaltungsgerichts auf Anfrage, wäre der umfangreiche Austausch von Bausubstanz unumgänglich. "Wenn dies am Ende zu einer Rekonstruktion des Ursprünglichen führt, dann ist die denkmalwürdige historische Identität nicht mehr gegeben."

Denn grundsätzlich sind Baudenkmäler in ihrer historischen Substanz geschützt — die wiederum im Falle des alten Bahnhofs kaum noch zu retten ist: Das Gebäude ist in weiten Bereichen von Haus-, Keller- und Porenschwamm sowie Schimmelpilzen befallen, Teile der Decke sind bereits eingestürzt, andere akut einsturzgefährdet. "Nach den Gutachten könnten höchstens zehn Prozent der alten Bausubstanz erhalten werden", erklärte Kapteina, "weshalb das Gericht zu dieser Überzeugung gekommen ist."

  • Solingen : Gräfrather Bahnhof darf abgerissen werden

Es kommt kaum überraschend: Rund zehn Jahre lag das 1877 erbaute Fachwerkhaus brach, nachdem Eigentümer Lapawa nach dem Kauf im Jahr 2000 zunächst rund 7,5 Millionen Euro in das Gebäude als Mischung aus Supermarkt, Künstlertreff, Café und Büros investieren wollte und schließlich doch davon Abstand nahm — Jahre, die das Schicksal des alten Bahnhofes an der Wuppertaler Straße letztendlich besiegelt haben mögen.

Und Lapawa setzt nach: "Nicht der Stadt Solingen ist ein Schaden entstanden, sondern umgekehrt — mir als Eigentümer ist durch diese fünfeinhalb Jahre währende Angelegenheit ein enormer wirtschaftlicher Schaden entstanden." Dennoch hoffe er auf einen gemeinsamen neuen Anfang, schließlich handele es sich - und das mag für den einen oder anderen wie Hohn klingen - um eine "Herzensangelegenheit" und "eine Verpflichtung gegenüber meiner Heimatregion Gräfrath."

"Wir waren zwar der Meinung, dass ein deutlich höherer Anteil an denkmalwerter Substanz im Gebäude erhalten war und hatten uns größere Chancen ausgerechnet, nehmen das Urteil aber zur Kenntnis", sagt der Erste Beigeordnete Hartmut Hoferichter. "Wir werden es schon in die Überlegungen zu dem Bebauungsplan einfließen lassen, den die Bezirksvertretung beauftragt hat."

Demnach könnten zwischen Wuppertaler Straße und Korkenziehertrasse hochwertige gemischte Nutzungen entstehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Nach Erhalt des schriftlichen Urteils hat die Stadt einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE