Kunstmuseum Solingen droht die Pleite

Kultur : Kunstmuseum Solingen droht die Pleite

Vor dem Museum an der Wuppertaler Straße liegt ein harter Sparkurs. Wird nicht gehandelt, könnte das Haus schon im Herbst in die Insolvenz rutschen. Die Stadt will darum unter anderem den Chefposten nicht mehr neu besetzen.

Es gehört zu den bekannten Häusern in der bergischen Region. Mehr als einmal waren in den zurückliegenden Jahren im Kunstmuseum Solingen an der Wuppertaler Straße die Werke von namhaften Künstlern zu sehen. Doch finanziell ist die Einrichtung schon seit längerer Zeit nicht eben auf Rosen gebettet. Weswegen die Verantwortlichen bei der Stadt nun die Notbremse ziehen und das Haus auf neue organisatorische Beine stellen wollen, um so eine drohende Insolvenz zu vermeiden.

Das geht aus einer Vorlage der Verwaltung hervor, die in der kommenden Woche unter dem Aktenzeichen 5078/2019 im nicht öffentlichen Teil des Kulturausschusses erstmals den politischen Gremien präsentiert werden wird. Und die, sollte sie am Ende tatsächlich durchgehen sowie vom Solinger Stadtrat im Februar verabschiedet werden, eine ganze Reihe von einschneidenden strukturellen Änderungen zur Folge haben dürfte.

So ist beispielsweise die Entflechtung des momentanen Konstrukts aus der sogenannten Grundstücksverwaltungsgesellschaft und der Kunstmuseum Solingen Betriebsgesellschaft vorgesehen. Der Hintergrund: Zurzeit muss das Museum der Grundstücksgesellschaft für die Nutzung der Räume in Gräfrath Miete zahlen, die fortan wegfallen soll. Und zudem ist angedacht, die Stelle des im Herbst in den Ruhestand gehenden Museumsdirektors Dr. Ralf Jessewitsch nicht neu zu besetzen, was zusätzlich Geld sparen würde.

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Dabei drängt die Zeit. Denn nach Einschätzung von Insidern könnte das Kunstmuseum bereits in der zweiten Jahreshälfte 2019 finanziell in derartige Schieflage geraten, so dass selbst eine ungeordnete Insolvenz nicht länger auszuschließen wäre. Was wiederum in dem Umstand begründet liegt, wonach Mittel, die bislang unter anderem über Stiftungserträge in die gemeinnützige Museum GmbH flossen, angesichts der seit Jahren andauernden Niedrigzins-Phase mehr und mehr ausbleiben.

Inwieweit jedoch schon bei der kommenden Ratssitzung eine Entscheidung fallen wird, bleibt einstweilen offen. Zwar war in den vergangenen Tagen aus Rathaus-Kreisen unisono zu hören, an einer Pleite des Kunstmuseums habe niemand ein Interesse. Gleichzeitig hieß es aber auch, Schnellschüsse brächten nichts.

Denn immerhin fallen mit der Pensionierung des augenblicklichen Direktors Jessewitsch ja nicht gleichzeitig dessen Aufgabenbereiche weg. „Es ist also genau zu klären, wie die Arbeit im Museum zukünftig neu aufgeteilt wird“, forderte dementsprechend nun ein Kenner der Verhältnisse. Und von anderer Seite wurde überdies der Einwand erhoben, das Kunstmuseum habe es in Sachen Finanzen niemals leicht gehabt. „Das stand alles immer schon auf wackeligen Füßen“, erinnerte ein Ratspolitiker nun noch einmal an die Geschichte des Haues.

Das Kunstmuseum Solingen wurde im Jahr 1996 gegründet, damals unter dem Namen Museum Baden. Es zählte seinerzeit zu den ersten Public-Private-Partnership-Projekten in der Region. Im Besitz des Museums befindet sich die Städtische Kunstsammlung mit Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit dem Jahr 2015 ist darüber hinaus das Zentrum für verfolgte Künste, eine gemeinnützige GmbH des Landschaftsverbandes Rheinland sowie der Stadt, in dem ehemaligen Gräfrather Rathaus untergebracht. Das Zentrum betreut die „Bürgerstiftung für verfolgte Künste – Else-Lasker-Schüler-Zentrum – Kunstsammlung Gerhard Schneider“.

In der Vergangenheit gelang es den Verantwortlichen des Kunstmuseums häufig, bekannte Künstler in die Klingenstadt zu holen. Außerdem finden Ausstellungen junger Kunst statt, darunter die jährliche Internationale Bergische Kunstausstellung.