Solingen: Kunst aus dem Automaten für sechs Euro

Solingen: Kunst aus dem Automaten für sechs Euro

Wer kennt das nicht? Man ist bei Bekannten oder Freunden eingeladen und braucht noch eine Kleinigkeit, die man dem Gastgeber mitbringen möchte. Bisher musste immer der obligatorische Blumenstrauß oder die Flasche Wein herhalten. Nicht sehr originell.

Eine kreative Alternative bietet jetzt der Kunstautomat. Tatsächlich gibt es hier Originalkunstwerke im Kleinformat für nur sechs Euro zu kaufen. Die Idee kommt von der Grafikerin und Künstlerin Julia Brück. "Anlass war, dass wir von Düsseldorf in die Eifel gezogen sind", erzählt sie. Dort gab es eben nur Althergebrachtes. Das hat Julia Brück nicht nur geärgert, sondern auch dazu inspiriert, sich etwas Neues einfallen zu lassen.

Die Idee zu den Kunstautomaten kam ihr: "Ich dachte mir, das kann ich umsetzen, da ich ja Grafikerin bin." Gesagt, getan. Julia Brück begann vor Ort mit einem Automaten. Um ihre Kunstminiaturen an den Mann zu bringen, verwendet sie alte Zigaretten-, Kondom- oder Kaugummi-Automaten. Ihren ersten Automaten fand sie bei eBay. "Die meisten sind leider schon verschrottet", bedauert sie. Doch hin und wieder findet sie ausrangierte alte Automaten. "Die klingen ganz anders, man hört das Geld durchfallen", sagt sie.

Insgesamt 23 Automaten in NRW

Inzwischen hat sich ihr anfänglicher Nebenverdienst zu einer hauptberuflichen Tätigkeit gewandelt. "Zurzeit bestücke ich 23 Automaten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz", verrät sie. Eifel, Mosel, belgische Grenze bis hin nach Düsseldorf. Und jetzt auch in Solingen – und das gleich zweimal. Ein kleiner Automat hängt am ehemaligen Stellwerk in der Potsdamer Straße vor der Galerie des Solinger Künstlers Stefan Seeger. Der zweite und größere wurde nun vor der Galerie City Art in der Düsseldorfer Straße in Ohligs installiert.

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Und was gibt es für Kunstwerke zu ziehen? "Sie sind im Zigarettenschachtel-Format", erklärt Julia Brück. Manchmal umgeht sie dieses kleine Format, indem sie faltet oder rollt. Wichtig ist ihr dabei die Nachhaltigkeit – ob nun beim Aufbereiten der alten Automaten oder dem Verwenden von Steinchen, Stoffen oder auch Haselnussschalen für ihre Bilder.

"Es geht mir darum, den kleinen Nichtigkeiten, die am Wegrand liegen, neue Bedeutung zu geben", meint die Künstlerin. Industrielle Massenware brauche niemand. Deshalb sind alle ihre Bilder mit viel Herzblut handgefertigt, ob Tusche, Aquarell oder Collage.

Ein Querschnitt ihrer Arbeiten ist im Schaufenster der City Art Galerie ausgestellt. Was allerdings der Automat für ein Bild ausgibt, ist stets eine kleine Überraschung. Zwei Themenbereiche kann der Kunde wählen: ortsunabhängige Bilder oder Werke zum Leitthema "Paradies".

Bald wird Julia Brück auch die Solinger Automaten mit Bildern bestücken, die zur Region passen.

(sue)