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Solingen: Kronprinz-Mitarbeiter hoffen auf einen neuen Aufbruch

Solingen : Kronprinz-Mitarbeiter hoffen auf einen neuen Aufbruch

"Wir machen keine Räder. Wir machen Geld, indem wir Räder machen", sagt Richard F. Dauch, President und Chief Executive Officer der Accuride Corporation - und damit der neue Chef der 531 Kronprinz-Mitarbeiter.

Etwa die Hälfte von ihnen hörte gestern Mittag genau zu, als Dauch im großen Saal der KPZ-Kantine den amerikanischen Konzern und dessen Pläne für die mefro-wheels-Gruppe vorstellte.

Profit war bei mefro wheels zum Fremdwort geworden, wie Marko Röhrig, Geschäftsführer der IG Metall Remscheid-Solingen, vor der Veranstaltung erläuterte: "Wir sind froh, dass wir es in den letzten Jahren aus eigener Kraft und ohne Insolvenzverwalter geschafft haben." "In den letzten Jahren ist hier wenig investiert worden", bestätigte Werkleiter Andreas Vierling. Das soll sich mit Accuride ändern. Solingen wird zum Hauptsitz außerhalb Amerikas. "Sie wollen uns zu einem First-class-Unternehmen machen."

Das Wie beschrieben Rick Dauch und Scott D. Hazlett, President Accuride Wheels Europe and Asia, rund zwei Stunden lang mit einer Fülle an Statistiken, Karten und Organigrammen. "Wie Sie haben auch wir harte Zeiten hinter uns", ging Dauch, Spezialist für Krisenbewältigung bei Autozulieferern, auf die Accuride-Geschichte ein. Die erhielt 2016 ein neues Kapitel, als Crestview Partners Mehrheitsaktionär wurde und Accuride - zunächst auf dem amerikanischen Markt - zu expandieren begann.

"Gemeinsam haben wir die Gelegenheit, etwas Großartiges zu schaffen", warb Scott D. Hazlett um ein "leistungsfähiges, uneigennütziges Team". Entlassungen werde es nicht geben, aber Umbesetzungen - auch beim Management. So hatte etwa jeder mefro-wheels-Standort bisher seinen eigenen Personalleiter.

Bei den Kunden gehe es darum, Vertrauen zurückzugewinnen, das man allein wegen der finanziellen Probleme verloren habe. Denn die Qualität der Räder sei gut, ein Standort wie Solingen ist trotzdem nicht ausgelastet.

Die neuen Chefs werden Präsenz zeigen: Scott D. Hazlett will sich mit seiner Frau im Raum Düsseldorf ansiedeln, Rick Dauch alle vier bis sechs Wochen vor Ort sein. An mefro wheels wird dagegen nichts mehr erinnern: Der Name soll möglichst rasch verschwinden. Auch ihren alten Chef Dr. Alfred Fischbacher werden viele Mitarbeiter nicht vermissen. Er bleibt dem Unternehmen allerdings als Berater erhalten. Ob der Name "Kronprinz" weitergeführt wird (wie es unter Mannesmann, Michelin und mefro wheels der Fall war), steht noch nicht fest.

Gegen Ende der Veranstaltung, als Dauch und Hazlett Fragen beantworteten, konnten die Mitarbeiter auch Lob und Kritik auf Karteikarten notieren. Vom schlechten Zustand der Umkleiden und Toiletten habe er schon gehört, merkte Dauch an. Er will sie bei seinem nächsten Besuch inspizieren. Und die Vorschläge werde man sich in den nächsten Wochen Stück für Stück ansehen.

Die ersten Reaktionen nach der Versammlung (und die leisen Kommentare während der Reden) waren durchweg positiv. Sehr viel Hoffnung hätten die Chefs verbreitet, urteilten die einen. Von einem energischen Auftreten der Redner und einem kleinen Aufbruch sprachen die anderen. Und manche Besetzung eines Führungspostens wurde mit einem "Das ist gut" kommentiert.

Die klaren Ansagen schreckten nicht: In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen die übernommenen Werke den Erlös verdoppeln. Die Aktionäre sollen überdurchschnittliche Erträge erhalten. Da ist die mefro-wheels-Marge von 5,6 Prozent im Vergleich zu den 21,5 Prozent von Accuride schmächtig. Deshalb gilt auch hier die "Fix&Grow"-Strategie: Um zu wachsen, wird alles, was nicht rund läuft, ausgewuchtet oder abgestoßen.

(RP)