Kriminelle Clans auch im Visier der Solinger Polizei

Kriminalität im Bergischen Land : Polizei nimmt kriminelle Clans ins Visier

Großfamilien, die die Gesetze nicht achten, sollen in der Region keine Chance haben. Die Polizei will den Kampf gegen Clans intensivieren. Insgesamt nahm die Kriminalität 2018 aber ab. Die Polizei zählte in Solingen 9809 Straftaten.

Das Problem ist bislang eher aus Berlin, Bremen oder dem Ruhrgebiet bekannt. Etliche Großfamilien haben in den zurückliegenden Jahren dafür gesorgt, dass ganze Stadtviertel zu sogenannten Hotspots der Kriminalität geworden sind. Dabei beschränkt sich das Phänomen aber nicht allein auf einzelne Städte. Das Clan-Unwesen bereitet den Fahndern mittlerweile auch im bergischen Städtedreieck mehr und mehr Sorgen – weswegen die Polizei zukünftig einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf diesen Bereich der Kriminalität legen will.

Das hat Polizeipräsident Markus Röhrl am Mittwoch in Wuppertal angekündigt. Zwar gehöre das Bergische Land nach wie vor nicht zu den geografischen Hauptschwerpunkten krimineller, häufig aus dem Libanon stammender Großfamilien, sagte der unter anderem für Solingen und Remscheid zuständige oberste Polizist der Region. Gleichwohl gebe es hier ebenfalls besorgniserregende Strukturen, die man nunmehr verstärkt ins Visier nehmen wolle, so Röhrl bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für 2018.

Dabei hat sich die Zahl der Straftaten insgesamt zuletzt durchaus erfreulich entwickelt. Denn vergleichbar zum Landestrend konnte die Polizei im vergangenen Jahr auch im Städtedreieck einen deutlichen Rückgang der Gesamtkriminalität registrieren. So sank die Zahl der Straftaten in Solingen binnen Jahresfrist – nach einem ohnehin schon starken Rückgang zwischen 2016 und 2017 – jetzt noch einmal um 1,5 Prozent auf in der Summe 9809 Fälle.

Besonders auffallend: Die Gewaltkriminalität bewegte sich ebenso nach unten (349 Fälle; minus 18,5 Prozent) wie zum Beispiel die Zahlen bei den Raubdelikten (86 Fälle; minus 28,3 Prozent) und bei den Wohnungseinbrüchen (196 Fälle; minus 31,5 Prozent). Eine Zunahme gab es hingegen in den Bereichen allgemeiner Diebstahl (3853 Fälle; plus zwei Prozent),  bei Kfz-Delikten (1427 Fälle; ungefähr plus zehn Prozent) sowie besonders bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (136 Fälle, plus 60 Prozent).

Indes bemühte sich die Polizei gleichzeitig, vor allem letztgenannte Zahl in eine richtige Relation zu setzen. So betonte Kriminaldirektor Robert Gereci am Mittwoch, der Anstieg in Sachen Sexualdelikte sei hauptsächlich auf verschärfte gesetzliche Bestimmungen zurückzuführen, die zur Folge hätten, dass Vorfälle, die früher nicht als Straftaten gewertet worden wären, nun in der Kriminalitätsstatistik auftauchten.

Während Solingen also 2018 zu jenen Städten gehörte, in denen die Entwicklung der Kriminalität rückläufig war, bereitet der Polizei die Aufklärungsquote in der Klingenstadt weiter Sorgen. Im vergangenen Jahr gelang es nur in knapp der Hälfte aller bekannt gewordenen Fälle, die Täter zu ermitteln. Damit lag die Aufklärung wieder auf dem Stand von 2014, als ebenfalls nur 47,4 Prozent der Straftaten zu einer Klärung gelangten.

Traditionell niedrig war der Anteil der gefassten Täter erneut im Bereich der Einbrüche (10,7 Prozent). Wobei die Polizei hofft, mit dem neuen „System zur Kriminalitätsanalyse und Lageantizipation“ (SKALA) des Landeskriminalamtes die Fallzahlen bei Einbrüchen insgesamt weiter nach unten zu drücken. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, in bestimmten gefährdeten Gebieten besonders Streife zu fahren“, sagte Polizeipräsident Röhrl, der in SKALA, das seit Anfang Januar in Gebrauch ist, in erster Linie ein Instrument der Kriminal-Prävention sieht.

Denn tatsächlich sind bei Wohnungseinbrüchen nach wie vor schwerpunktmäßig gut organisierte Banden unterwegs, die oftmals aus dem Ausland stammen und lediglich zur Tatausführung in der Region auftauchen, aus der sie dann nachher genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen waren.

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