Solingen: Kreisverkehr wird neu ausgeschrieben

Solingen : Kreisverkehr wird neu ausgeschrieben

Der Bauboom sorgt dafür, dass kein Unternehmen mit dem Projekt an der Kreuzung Bismarckstraße / Kirberger Straße/ Gabelsberger Straße beauftragt werden kann. Bisherige Angebote lagen fast 60 Prozent über dem kalkulierten Rahmen.

Lange schon warten die Autofahrer auf einen Kreisverkehr auf der Bismarckstraße. Die Pläne dafür liegen auch schon seit mehr als einem Jahr in den Schubladen. Baufirmen sind allerdings noch nicht angerückt. Der Grund: Bei der Suche nach geeigneten Unternehmen hat die Straßenbauverwaltung nur Angebote erhalten, die deutlich über der eingeplanten Summe von 250.000 Euro liegen. NachInformationen verlangen die Unternehmen stattdessen mindestens 395.000 Euro. Jetzt werden die Arbeiten neu ausgeschrieben. So etwas komme in Zeiten, in denen Baufirmen gut ausgelastet seien, immer wieder vor, erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische.

Für Bauleistungen dieses Umfangs muss die Stadt die Arbeitsleistungen offiziell ausschreiben. Firmen geben in einer vorgegebenen Frist ihre Angebote ab. In der Regel erhält das Unternehmen den Zuschlag, das einerseits geeignet ist und andererseits die Arbeiten zum günstigsten Preis anbietet. Allerdings muss das Angebot wirtschaftlich in einem vertretbaren Rahmen sein.

Für den Kreisel, der vor neun Jahren erstmals in der Bezirksvertretung Burg/Höhscheid diskutiert worden war, steht seit geraumer Zeit Geld im städtischen Haushaltsplan bereit. Die Planungen waren in den vergangenen Monaten ausgeschrieben worden. Das Ergebnis lag Anfang September vor. Dabei stellte sich heraus, dass das Gebot des Geringstbietenden aus Sicht der Verwaltung wirtschaftlich nicht annehmbar war. Darum wurde das Verfahren gestoppt.

"Noch in diesem Jahr werden die Arbeiten erneut ausgeschrieben", kündigte Rische an. Sie versichert: "Der Kreisverkehr kommt auf jeden Fall." Gestorben sei er durch das jetzt gestoppte Verfahren nicht - nur verzögert. Bei der Verwaltung hoffe man jetzt, dass bei einer erneuten Ausschreibung günstigere Angebote abgegeben werden.

Ob sich diese Hoffnung erfüllt, steht zum jetzigen Zeitpunkt naturgemäß nicht fest. Rische: "In Zeiten voller Auftragsbücher können Firmen solche Preise nehmen." Dieses Thema tauche immer wieder auf.

Experten aufseiten der Auftraggeber weisen nicht nur im Zusammenhang mit Straßenbauprojekten auf ein weiteres Phänomen hin: Bei öffentlichen Projekten geht auch die Zahl der abgegebenen Angebote zurück. Damit werde auch die Konkurrenz für die Baufirmen im Ringen um öffentliche Aufträge kleiner.

Dieses Problem sei zum großen Teil selbstverschuldet, halten Handwerker dem entgegen. Da die Kommunen in den letzten Jahrzehnten nur wenig in ihre Infrastruktur investiert hätten, seien viele Firmen auf der Strecke geblieben, hatte unlängst Carl-Uwe Lorenz, Geschäftsführer der Solinger Baufirma Lorenz, erklärt. Den Vorwurf, Unternehmer wollten sich auf Kosten der öffentlichen Hand bereichern, wies er unter anderem mit dem Hinweis auf steigende Lohn- und Materialkosten zurück. Seinerzeit ging es um ein ähnliches Phänomen im Hochbau. Vonseiten der Verwaltung hatte das Immobilienmanagement beklagt, dass etliche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten in Schulgebäuden nicht innerhalb des Zeitplans erledigt werden könnten, weil Ausschreibungen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten.

Geld für solche Projekte sind bei der Stadt unter anderem durch Förderprogramme des Bundes und des Landes NRW vorhanden. Weil aber auch andere Kommunen davon profitieren, ist die Nachfrage in diesen Bereichen derzeit groß.

(RP)