Kranke Bäume in Solingen: Weitere Fällungen an Burger Landstraße

Kranke Wälder auf Solinger Stadtgebiet : Weitere Bäume fallen an Burger Landstraße

In einer Resolution fordert die Politik Ersatzbäume und frühere Information über geplante Fällungen.

Der Wald leidet. Kranke Bäume müssen gefällt werden. Die Entfernung vertrockneter Bäume in den städtischen Wäldern wird Solingen in den kommenden drei Jahren eine Millionen Euro kosten. Das gab Stadtdirektor Hartmut Hoferichter im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität bekannt. Im Haushalt 2020 sind zunächst 100.000 Euro für die Maßnahme eingestellt.

Doch der Ausschuss hatte aus anderem Grund prominenten Besuch. Gleich sechs Vertreter von Straßen.NRW sowie des Landesbetriebs Wald und Holz waren erschienen. Die für Anwohner und auch die Stadtverwaltung unangekündigte Fällung von Ahornbäumen an der Burger Landstraße hatte für Empörung gesorgt. Kritikpunkt: Vorab hat es dazu keinerlei Informationen gegeben.

Das Warum erklärte Karsten Wieczorek vom Landesbetrieb Straßen.NRW. Die Bäume seien durch zwei trockene Sommer entweder krank oder werden es auf jeden Fall. Es gelte daher, aufgrund der Verkehrssicherungspflicht bekannte oder drohende Gefahren durch umfallende Straßenbäume zu beseitigen. Er betonte, dass rund 50 Prozent der Straßenbäume betroffen seien. Darum würden am 11. und 12. Januar an der Burgtalstraße zwischen Unter- und Oberburg mehr als 100 Bäume der Kettensäge zum Opfer fallen.

Beim für Solingen zuständigen Regionalforstamt arbeitet Jan Valentin Wiesmeyer: „Der Zustand des Waldes ist katastrophal. Das gelte auch entlang der Burgtalstraße. Dort werde man jetzt private Waldbesitzer überzeugen, ihre Bäume fällen zu lassen, die gefährlich sind. Wiesmeyer machte die Strategie des Betriebs deutlich: „Wir müssen langfristig eine Struktur schaffen, die die Verkehrssicherheit ebenfalls langfristig sichert.“

In Sachen Öffentlichkeitsarbeit räumte Kollege Wieczorek Versäumnisse ein. Es sei üblich, die Öffentlichkeit zu informieren. An der Burger Landstraße habe die Firma „einfach angefangen“. Geld sei mit dem gefällten Holz im Übrigen wegen des Überangebots nicht zu verdienen. Im Gegenteil: „Jeder gefällte Baum kostet uns.“

Die Vertreter der Parteien übten scharfe Kritik. Das Schaffen von Tatsachen, ob begründet oder nicht, ohne zu informieren, sei ein Unding. Mehrfach wurde darauf verwiesen, dass die Solinger Bürger wegen der Baumschutzsatzung große Hürden nehmen müssten, bevor zur Säge gegriffen werden dürfe. Der Landesbetrieb mache es einfach.

Auf die Rückfrage von Enrique Pless, Vorsitzender des Beirats der Unteren Landschaftsbehörde, ob Straßen.NRW Ersatzpflanzungen vorsehe, erhielt er ein ausweichendes Nein. Die Fachleute verwiesen darauf, dass die neuen Bäume an den Oberleitungen der Linie 683 vorbeiwachsen müssten. Dazu müsse man sie so stark beschneiden, dass sie sicher wieder krank werden würden.

In einer einstimmig verabschiedeten Resolution erwartet der Ausschuss von den Landesbetrieben künftig genaue und regelmäßige Informationen vorab. Die Landesregierung wird aufgefordert, ausreichend Haushaltsmittel für Ersatzpflanzungen zu schaffen. Für die Burgtalstraße und die Burger Landstraße sollen zertifizierte Baumkontrolleure Gutachten zur Notwendigkeit der Fällung vorlegen.

(Boll)