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Solingen: Kraftwerk an der Wupper

Solingen : Kraftwerk an der Wupper

Die Bauarbeiten am Wasserkraftwerk Auer Kotten sind fast abgeschlossen. Im Frühsommer wird der erste Strom produziert. Damit endet ein Marathon-Planungsprojekt. Es galt, viele Interessen unter einen Hut zu bringen.

Barsche, Neunaugen, Döbel, aber auch Schmerlen leben in der Wupper. Doch der klassische Fisch des "Bergischen Amazonas", wie der Fluss wegen seines Naturreichtums genannt wird, sind Eschen, die zur Gruppe der Forellen gehören. Auch Lachse sind wieder anzutreffen, berichtet Rupert Pischel vom Wupperverband beim Ortstermin am Wasserkraftwerk Auer Kotten.

Derweil rauscht die Wupper am großen Wehr mit der Aus- beziehungsweise Umstiegsstelle für Kanuten über die bereits vor zwei Jahren fertiggestellte Fischtreppe. Die muss man sich in etwa so vorstellen, wie hintereinander gebaute kleine Becken, ähnlich eines Schiffschleusensystems.

Um das am großen Wehr und vor allem auch mit der zweiten, sehr viel aufwendigeren Fischtreppe am Auer Kotten selbst ermöglichen zu können, ist seit Planungsbeginn viel Wasser die Wupper hinuntergeflossen. Über zehn Jahre hat es gedauert.

Dr. Klaus Strehlau, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt, spricht denn auch von einer sehr langen Vorlaufzeit, um alle Interessen des hochsensiblen Naturschutzgebietes an der Wupper in Einklang zu bringen mit der umweltfreundlichen Stromgewinnung durch Wasserkraft. Strehlaus Fazit: Der Auer Kotten zwischen Wupperhof und Balkhausen sei ein gutes Beispiel dafür, das dies gelungen sei.

Mehr als drei Meter Höhenunterschied muss die 120 Meter lange Fischtreppe mit ihren 24 Becken am Krafthaus mit der Turbine bewältigen. Das gelingt nur, in dem sie sich quasi wie eine Spirale dort schlängelt. Die Arbeiten hier stehen insgesamt kurz vor dem Abschluss. Wenn dann auch das Außengelände wieder hergestellt ist, kann der erste Strom produziert werden. Im Frühsommer dürfte dies der Fall sein.

Mit Solingen und Leichlingen sind zwei Städte aus unterschiedlichen Regierungsbezirken zu beteiligen gewesen. Alleine 50 Träger öffentlicher Belange mussten gehört werden. Stefanie Klaus ist froh, dass das Marathon-Planungsprojekt nun zum Abschluss kommt. Ihr Vater, der stets von der Wasserkraft-Nutzung an der Wupper geträumt habe, hatte den alten Kotten vor drei Jahrzehnten zusammen mit den drei Brüdern Dieter, Walter und Klaus Einsiedler gekauft.

Rund eine Million Euro haben die Investoren-Familien in die Modernisierung des Auer Kottens investiert. 1,5 Millionen Euro Strom lassen sich damit im Jahr produzieren. Das deckt den Energiebedarf von 400 Haushalten.

Nächsten Dienstag wird der große Rechen vor dem Turbinen-Schacht per Kran montiert. Dazu muss der Wander- und Radweg an diesem Tag gesperrt werden.

Der 26 Meter lange Schräg-Rechen, an dem Eschen, Barsche, Lachse und Döbel gleichsam sanft vorbeigeschoben werden, gilt als Besonderheit mit einem Abstand der Stäbe von lediglich zwölf Millimetern. Das übertrifft die Vorschrift. Deshalb wird der Kotten die Stromproduktions-Erlaubnis sogar für 40 Jahre bekommen, nicht nur für drei Jahrzehnte.

(RP)