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Solingen: Kooperation: Bergische Triangel verstimmt

Solingen : Kooperation: Bergische Triangel verstimmt

Gemeinsam sind wir stark – so lautet die Botschaft einer "Zukunfts-Kommission" der drei bergischen Städte, die kürzlich ihren Abschlussbericht vorlegte. Unter anderem wird darin eine vertraglich geregelte übergeordnete Wirtschaftsförderung vorgeschlagen.

Gemeinsam sind wir stark — so lautet die Botschaft einer "Zukunfts-Kommission" der drei bergischen Städte, die kürzlich ihren Abschlussbericht vorlegte. Unter anderem wird darin eine vertraglich geregelte übergeordnete Wirtschaftsförderung vorgeschlagen.

Prompt winkte Wuppertals Kämmerer Johannes Slawig ab. Zusammenarbeit ja, doch sei die Wirtschaftsförderung besser in den Rathäusern aufgehoben, ließ er öffentlich verlauten.

Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Solinger Wirtschaftsförderung, formuliert den Willen zur Eigenständigkeit örtlicher Institutionen galanter: Das von der mit drei früheren Oberbürgermeistern, darunter der Solinger Franz Haug, besetzen Zukunftskommission solle man lieber nicht so sehr auf Organisationsfragen der Wirtschaftsförderung reduzieren. "Es gibt doch viel mehr Inhalte in dem Papier."

Gemeinsame Auftritte

Zudem funktioniere die regionale Zusammenarbeit im Bergischen Dreieck bereits sehr gut, ist Balkenhol überzeugt. Als Beispiele nennt er etwa die Tourismusförderung, der gemeinsame Auftritt bei der Münchener Immobilien-Messe Expo Real und koordinierte Gewerbeflächenkonzepte. Hinzu kämen enge Kooperationen etwa bei der Fachkräfte-Werbung für Metallbetriebe und die Zusammenarbeit beim Thema "Kreativ-Wirtschaft" (Werbung, Kultur, Medien).

Harmonie hört sich anders an. Die bergische Triangel hat viele Beulen und klingt mitunter verstimmt. Die Volkshochschulen von Wuppertal und Solingen wurden zusammengelegt, Remscheid bleib außen vor. Ebenso bei der Fusion der Feuerwehrleitstellen in Wuppertal. Die Wuppertaler hingegen sagten eine Orchesterfusion mit Remscheid und Solingen ab und bleiben lieber eigenständig.

Nun gibt es neuen Ärger um die geplante Gründung einer "Bergischen Gesellschaft für Ressourceneffizienz". Die Gesellschaft soll Projekte im Wachstumsmarkt der neuen Umwelttechnologien voranbringen. Damit soll auch die heimische Wirtschaft kosteneffizienter arbeiten können und wettbewerbsfähiger gemacht werden. Mit 350 000 Euro Fördergeld des Landes könnte die Gesellschaft rechnen, den Restbetrag in etwa gleicher Höhe müssten die drei Städte gemeinsam tragen.

Wuppertal und seine Stadtwerke sind schon drin in der Gesellschaft. Auf Wunsch der beteiligten Bergischen Universität sollen nun auch die Städte Solingen und Remscheid einsteigen. Allerdings ohne ihre Stadtwerke, wie Remscheider Vertreter bei einem Treffen in Wuppertal erfahren mussten. Man wolle der Gesellschaft "nur ein bergisches Mäntelchen umhängen", von einem "Geschäft auf Augenhöhe" könne aber keine Rede sein, berichtete der stellvertretende Vorsitzende des Remscheider Stadtwerke-Aufsichtsrats, Hans Peter Meinecke (SPD). Die Federführung liege momentan klar in Wuppertal.

Projekt "bergischer machen"

In Remscheid wie in Solingen ist die Sorge groß, dass die Wuppertaler Stadtwerke unter dem Deckmantel der gemeinsamen Gesellschaft den Stadtwerken in den beiden Nachbarstädten in einem lukrativen Geschäftsfeld das Wasser abgraben wollen. In einem interfraktionellen Antrag zur Solinger Ratssitzung am Donnerstag besteht nach Ansicht von SPD, BfS, Grünen und DSW "Gesprächs- und Anpassungsbedarf" bei der Gestaltung des Gesellschaftsvertrags.

"Es geht darum, das Projekt bergischer zu machen", sagt Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Einfluss- und Beteiligungsmöglichkeiten Solingens und Remscheids sollen gestärkt werden. So sei etwa eine Verbundbeteiligung mit kleiner Einlage der Stadtwerke beider Städte denkbar. Auch bei der Personalausstattung könnten Solinger und Remscheider mehr berücksichtigt werden. "Wir wollen sicherstellen, dass eine Förderung nicht daran scheitert, dass sie nicht nach Wuppertal geht."

(RP)