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Konzert in Solingen: Jan Delay bringt die Disco nach Ohligs​

Open-Air in Solingen : Jan Delay bringt die Disco nach Ohligs

4000 Partygäste feierten am Samstag in SOlingen auf dem Außengelände der sanierten Konsumgenossenschaft Solidarität. Die spektakuläre Neu-Eröffnung des Komplexes mit prominentem Gast machte Lust auf mehr.

Das Walder Stadion, Schloss Burg oder der Neumarkt: Das wären vermutlich die erst genannten Orte, wenn man Solinger nach Schauplätzen größerer Open-Air-Veranstaltungen fragen würde. Seit Samstagabend dürfte die Ecke Prinzenstraße/Caspersbroicher Weg in dieser Aufzählung wohl ganz weit nach vorne gerückt sein. An diesem sonst so ruhigen Fleckchen östlich der Bahnlinie, sammelten sich am Nachmittag die ersten Gäste und warteten auf den Einlass – lachend, klönend, mit der für derartige Musikereignisse typischen freudigen Anspannung.

Über gesperrte Straßen – entweder aus Richtung Hauptbahnhof oder vom Monhofer Feld – strömten immer wieder weitere Gruppen dazu. „Wir haben das Auto bei Freunden an der Dieselstraße stehen lassen“, erzählte ein Paar aus Köln. Andere Besucher schlossen ihre Fahrräder an auf der Straße aufgestellte Gitter. In einer Einfahrt hatte sich eine kleine Menschentraube aus Bewohnern und Gästen gebildet – zum „Vorglühen“. „Es ist super, dass wir so etwas direkt vor der Haustür haben“, sagte Anwohnerin Heike Pfennigwerth. Natürlich mussten sich die Nachbarn auf das Großereignis einstellen, setzten Autos in Garagen oder Hinterhöfe. „Aber wir haben auch Freikarten bekommen“, berichtete Pfennigwerth. Sie freue sich auf die baldige Gastronomie auf der gegenüberliegenden Straßenseite, verriet sie.

  • △ Der Hip-Hop- und Soul-Musiker Jan
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Die neue Ära für das weithin sichtbare Jugendstilgebäude der einstigen Konsumgenossenschaft Solidarität mit Büroräumen und Restaurant-Betrieb bot den Anlass für die rauschende Feier. Und dafür hatte Marc Kirchheim Entertainment eine große Nummer im deutschen Pop-Geschäft gewonnen: Jan Delay, derzeit auf Tournee mit seinem Album „Earth, Wind und Feiern“, reiste mit seiner charakteristischen Hip-Hop, Soul-, Funk- und Reggae-Melange im Gepäck nach Ohligs – und wurde schon am Nachmittag beim Spaziergang auf der Düsseldorfer Straße gesichtet.

„Er ist ein Künstler, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann“, sagte Mirko Novakovic, Investor und Sanierer des Gebäudekomplexes, nachdem er unter Beifall von einer kleinen Bühne im künftigen MAKU Restaurant heruntergeklettert war. Schaumwein und cremige Desserts gingen hier im Erdgeschoss über den hellen Holztresen. Die Mischung aus industriellem Charme und modernem Interieur prägt neben dem Restaurant auch den nebenan gelegenen Coworking-Space „Orangery“, durch dessen mietbare Büros die Geschäftsführer Dominik und Sebastian Groenen interessierte Besucher führten.

Draußen strömten immer mehr Musikfreunde recht zügig über Metallstege auf den Schotterplatz, versorgten sich mit Getränken und suchten sich ihren Platz vor der riesigen Bühne mit der typischen Jan „Delay-Silhouette“ auf der Rückwand – ein aus Neonröhren geformter Hut mit Sonnenbrille. Dort ertönten ab sieben Uhr druckvolle Bässe und kräftige Soul-Stimmen: Die Vorband „MUNIQUE“ brachte das Publikum mit gecoverten Hits von Donna Summer bis zu Diana Ross in Bewegung. Übermäßig eng wurde es trotz der großen Besucherschar nicht. Auch lange Warteschlangen an Bierständen und Toilettenwagen blieben aus. „Hier passt alles zusammen“, befand Besucher Carsten Menzen in der Pause. Für ihn sollte es der dritte Abend mit Jan Delay werden, den er schon in dessen Hamburger Heimat erlebt hatte: „Er ist ein großartiger Entertainer.“

Und um Punkt neun war er da: „Habt Ihr Bock zu feiern?“ rief Jan Delay in seinem unverwechselbar nasalen Tonfall in die Menge – und legte mit seiner elfköpfigen Band „Disko No. 1“ gleich mächtig los: „Klar“, „Disko“, „Feuer“, „Oh Johnny“ – der 46-Jährige zündete eine Rakete nach der anderen: Immer wieder streute der frühere „Beginner“ „Solingen!“-Rufe ein, animierte die Zuhörer zum Hüpfen, Stopptanzen und Handtuch-Wedeln. Die Lokalprominenz auf der V.I.P-Terrasse forderte er in abgewandelter John-Lennon-Manier auf: „Ihr könnt ja mit Euren V.I.P-Pässen wedeln!“ Auch mit Zugaben ließ er sich nicht lumpen – und verabschiedete sich erst nach fast zwei Stunden musikalisch nach „St. Pauli.“ Manche Gäste feierten danach weiter – mit DJ Aleksey. Andere zogen euphorisiert, aber geordnet, nach Hause. Auch wenn der Konzert-Abend laut Organisatoren ein in dieser Größe einmaliges Ereignis war – seine Tauglichkeit als Open-Air-Schauplatz hat das Areal bewiesen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So war das Open-Air mit Jan Delay in Solingen