Solingen: Kontroverse Debatte ums Ittertal

Solingen : Kontroverse Debatte ums Ittertal

Bei der Ausweisung von Gewerbegebieten beschließt die Bezirksvertretung, die Position der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" angemessen zu berücksichtigen.

Keusenhof, Piepersberg West, Buschfeld, Fürkeltrath I und II — die Diskussion um die Ausweisung von Gewerbegebieten im Bezug auf das Ittertal ist ein heißes Eisen. Dies ist jetzt in der Bezirksvertretung (BV) Wald aufs Neue deutlich geworden. Tenor: Das Spannungsfeld zwischen dem Naturschutz auf der einen und der Schaffung von Arbeitsplätzen auf der anderen Seite wird zur politischen Zerreißprobe.

SPD-Fraktion sowie der Grüne Frank Knoche und Manfred Gräwert (BfS) beschlossen mit Mehrheit, das Papier mit dem Vorstoß der 25 Unternehmer zur Kenntnis zu nehmen. Zu mehr wollte sich der Kreis der Mehrheitspolitiker im Stadtteilparlament nicht hinreißen lassen. Dabei hatte sich die Verwaltung in ihrer Beschlussempfehlung obendrein dafür ausgesprochen, die Stellungnahme aus der Wirtschaft bei den weiteren planerischen Überlegungen angemessen zu berücksichtigen — bei CDU sowie Christiane Höffgen (FDP) traf dies indes auf Unterstützung.

Eben diesen weitergehenden Passus beschlossen die Mehrheitspolitiker von SPD, Grüne und BfS sowie außerdem CDU-Mann Michael Grützner allerdings bei der Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal"; und zwar deren Position bei der Erstellung eines ökologischen Gesamtgutachtens und der Entwicklung gewerblicher Bauflächen für das Ittertal angemessen zu berücksichtigen. Dies freilich verbuchten Mitstreiter der Bürgerinitiative während der Walder BV-Sitzung im Foyer des Stadtsaals als Achtungserfolg.

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Das umstrittene Thema der Gewerbeflächen-Ausweisung wird in diesen Tagen noch von den Bezirksvertretungen Gräfrath und Ohligs behandelt, außerdem am 10. Februar vom Planungsausschuss.

Henner Pasch, einer der 25 Unternehmer des Wirtschaftsvorstoßes, appellierte während der BV-Sitzung in Wald, den Firmen zukunftsfähige Rahmenbedingungen zu verschaffen. "Wir haben die Sorge, dass eine zu restriktive Politik in Solingen unserem Gewerbestandort Schaden zuführen könnte."

Pasch sprach sich für einen guten Kompromiss zwischen Umweltschutz und einer angemessenen Bevorratung von Gewerbeflächen aus.

"Rettet das Ittertal"-Mann Ingo Hill stimmte dem vom Grundsatz her sogar zu: Bessere Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Firmen sei auch Anliegen der Bürgerinitiative. Doch Gewerbegebiete dürften eben nicht im Ittertal ausgewiesen werden. Hill warnte davor, Solingens Randgebiete derart immer weiter zu zerfressen.

Michael Klaas (CDU) begrüßte den Unternehmervorstoß ausdrücklich: "Dies mache das Interesse all derer deutlich, die auf Arbeitsplätze in Solingen angewiesen sind." Scharfe Kritik kam von Frank Knoche (Grüne): Bisher habe er aus der Wirtschaft noch nicht gehört, dass diese auf eines der geplanten Gewerbegebiete verzichten wolle. "Wir müssen unsere Täler schützen." Er, Knoche, könne es jedenfalls nicht mehr hören, wenn Ökologie gegen Ökonomie ausgespielt werde.

(RP)
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