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„Kontaktsperre“ mit Kunden: Stadt Solingen rudert zurück

Corona-Krise : „Kontaktsperre“ mit Kunden: Stadt Solingen rudert zurück

In der Krise suchen Händler nach Wegen, in Kontakt zu ihren Kunden zu bleiben. Verwaltung und Handel sind nicht immer eins, was erlaubt ist.

Not macht erfinderisch. Seitdem die Corona-Krise dazu geführt hat, dass auch in Solingen fast alle Geschäfte nicht mehr verkaufen dürfen, sind vor allem Einzelhändler gezwungen, sich etwas Neues einfallen zu lassen, wenn sie ihre Waren weiter an den Mann oder die Frau bringen wollen. Wobei die Meinungen darüber, was in Zeiten der Corona-Pandemie erlaubt ist, bisweilen ziemlich weit auseinandergehen können.

Eine solche Erfahrung hat jetzt zum Beispiel auch Heiko Legewie, Inhaber des gleichnamigen Zweiradcenters im Südpark, gemacht. Nachdem Legewie nämlich zuletzt dazu übergegangen war, Beratungsgespräche mit seinen vor dem Laden stehenden Kunden per Telefon zu führen, bekam der Zweiradhändler Mitte der Woche einen unangemeldeten Besuch vom Solinger Ordnungsamt.

„Der Beamte hat mich in einer rüden Art und Weise aufgefordert, dies in Zukunft zu unterlassen“, erinnerte sich Heiko Legewie am Freitag noch einmal an die Begegnung mit dem Ordnungshüter, der nach Auskunft des Geschäftsmanns sogar mit einer Anzeige drohte. Denn immerhin, so Legewie, habe er nach Ansicht des Beamten gegen die zurzeit geltenden Einschränkungen verstoßen.

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Eine Lesart, die der Geschäftsführer des traditionsreichen Fahrradgeschäfts nicht nachzuvollziehen vermochte. Und tatsächlich ruderte die Stadt nach einer Beschwerde von Legewie inzwischen wieder zurück. So teilte das Rathaus vor dem Wochenende mit, dass „Beratung und Verkaufsgespräche über Telefon, Chats im Internet oder E-Mail“ seien nach wie vor möglich. Und zudem bestünden auch keine Bedenken die „über das Internet bestellte Ware“ auszuliefern.

Gleichwohl sind damit längst nicht alle Probleme aus der Welt. Der Grund: Nach der Schließung des Ladens im Zuge der Corona-Krise war Heiko Legewie zunächst dazu übergegangen, all jenen Kunden, die im Netz oder per Telefon Interesse an einem Rad bekundet hatten, das Objekt zwecks Probefahrt einfach vor die Tür des Geschäfts zu stellen. Was laut der Stadt Solingen aber weiter verboten ist.

Dementsprechend kündigte Legewie jetzt an, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. „Das lasse ich gegebenenfalls prüfen“, sagte der Geschäftsmann, der in diesem Punkt den Handelsverband Nordrhein-Westfalen – Rheinland (HVR) an seiner Seite weiß.

Dessen Geschäftsführer im Bergischen Land, Ralf Engel, plädierte am Freitag dafür, in der aktuellen Krisensituation pragmatische Lösungen für den Handel zu suchen. „Wenn im Internet oder per Telefon ein Kunde Interesse an einem Rad bekundet und vorher sowie nachher alle Regeln der Desinfektion befolgt werden, sollten Probefahrten möglich sein“, sagte Engel auf Anfrage unserer Redaktion.

Ohnehin haben der Geschäftsführer und seine Kollegen beim HVR momentan alle Hände voll zu tun. So stehen seit Beginn der Krise die Telefone beim Verband kaum mehr still. Immer wieder rufen Einzelhändler an, die unsicher sind, welche Regeln und Verbote eigentlich gelten. Dabei drehen sich die Fragen vor allem darum, wie überhaupt noch Ware angeboten beziehungsweise an die Kunden geliefert werden kann. „So wollte neulich ein Händler, der auch Handwerker ist, wissen, ob er eine verkaufte Waschmaschine zum Kunden bringen kann“, berichtete Ralf Engel aus seinem Arbeitsalltag.

In diesem Fall gab es keine Bedenken und der Solinger Geschäftsmann durfte die Maschine liefern. Wobei HVR-Geschäftsführer Engel gerade in der aktuellen Lage auch Chancen sieht. „Wir alle müssen uns fragen, ob wir die leeren Innenstädte wirklich dauerhaft wollen“, gab Engel zu bedenken. Seine Hoffnung ist, dass viele Kunden nach der Krise wieder öfter in die Citys kommen und so dem Handel vor Ort eine Chance gegen den anonymen Onlinehandel geben.