Solingen: Kommt die Protestwelle?

Solingen: Kommt die Protestwelle?

Im Hallenbad Vogelsang ist die Durststrecke nach wochenlangen Renovierungsarbeiten beendet. Doch die Freude am gestrigen Wiedereröffnungstag war bei Stamm-Schwimmgästen getrübt: "Die Schließung wäre ein Katastrophe."

30 Bahnen hat Uwe Spielhoff in dem 25-Meterbecken schon zurückgelegt, einige weitere werden an diesem Montagnachmittag noch folgen. Er ist froh, dass die Durststrecke im Hallenbad Vogelsang endlich vorüber ist. Gertrud Siemko, Margarete Happe und Helga Brabender sind ebenfalls erleichtert. Auch sie sind Stamm-Schwimmgäste an der Focher Straße. "Selbstverständlich haben wir das vermisst."

Gestern öffnete das Hallenbad wieder. Seit dem 11. Januar ist es wegen der Sanierungsarbeiten an der Decke geschlossen gewesen. Eigentlich sollte es schon am 22. Februar wieder öffnen. Die Arbeiten zogen sich aber über diesen Termin hinaus, weil die Bauarbeiter bei der Abwicklung der Baustelle nachbessern mussten. Unter anderem mussten Arbeitsschutzauflagen beim Hantieren mit den Dammplatten unter der Decke beachtet werden.

240 000 Euro kostet die Sanierung der Hallenbaddecke, die statt der alten, grauen Einheitsfarbe aus den 1970er-Jahren nun farbenfroh geworden ist – mit einem Mosaik aus Schwimmbad-Blautönen. "Schön ist es geworden", heißt es bei den Schwimmern.

"Wir bleiben damit im kalkulierten Rahmen", auch wenn noch keine Schlussabrechnung vorliege, berichtet Dirk Urstadt vom Stadtdienst Sport und Freizeit unserer Zeitung über die Sanierungskosten. Die Aufhängungen der alten, abgehängten Deckenplatten waren angerostet gewesen. Nach Urstadts Worten sind die Arbeiten aus Sicherheitsgründen deshalb zwingend erforderlich geworden.

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Dennoch – eine Viertel Million Euro fließt in ein Schwimmhalle, die eigentlich einmal zu einem Schwerpunktbad des öffentlichen Schwimmens werden sollte. Mit dem Sparkonzept steht es aber plötzlich vor dem Aus und soll auf Vorschlag der Verwaltung 2012 gänzlich geschlossen werden.

Bei Schwimmern stößt dieses Vorgehen auf Unverständnis, weil das Geld für die kostspielige Sanierung damit quasi zu den großen Fenstern des Vogelsanger Hallenbades hinausgeworfen wäre. Statt die Decke vollständig zu erneuern, hätte man sie dann doch nur ausbessern brauchen, meint Helga Brabender. Und Gertrud Siemko erklärt: Vogelsang sei doch noch das einzige Hallenbad in Solingen, dass täglich für die Öffentlichkeit für viele Stunden geöffnet sei.

"Wir haben null Verständnis für eine Schließung", betonen die Schwimmer. "Das wäre eine Katastrophe."

Zum Vogelsanger Hallenbad gebe es keine Alternative, ergänzt Uwe Spielhoff. Das sei hier doch nicht nur eine Schwimmhalle, sondern auch ein Treffpunkt, etwa bei den beliebten Wassergymnastikkursen am Vormittag. Deshalb glaubt Spielhoff nicht, dass die Politik einer Schließung zustimmen wird. Falls dies aber doch passieren sollte, erwartet der Stammgast eine Protestwelle und die Gründung einer Bürgerinitiative. "Hier kennt doch jeder jeden. Die Schwimmer halten zusammen."

(RP)