Solingen Klinikum trifft Chefarzt vor Gericht

Solingen · Das Verhältnis zwischen Dr. Jacobus Pfisterer, dem Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Klinikum und der Geschäftsleitung ist schwer belastet. Patienten und Hebammen sollen sich über den Mediziner beschwert haben. Das Haus befürchtet einen Imageschaden.

Er selbst hatte gleich zu seiner Einstellung etwas für steigende Geburtenzahlen getan, denn zur offiziellen Feierstunde zu seiner Einführung im November 2011 war Dr. Jacobis Pfisterer mit seiner zwei Monate alten Tochter Charlotte gekommen. Auch um guten Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten bemühte er sich durch die von ihm damals erwähnten Besuche von über 50 Gynäkologen in Solingen und der näheren Umgebung. Doch genau daran soll es im Laufe der Zeit gehapert haben.

Das Tischtuch zwischen Professor Dr. Jacobus Pfisterer und der Geschäftsleitung des Städtischen Klinikums scheint zerschnitten. "Ich hätte mir einen anderen Ausgang gewünscht", sagt Klinik-Geschäftsführer Hermann-Josef-Bökmann. Die Klinik-Leitung hatte gegen den Chef der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe Schritte wegen "arbeitsrechtlicher Verfehlungen" eingeleitet. Daraufhin zog dieser vor das Arbeitsgericht. Für den 10. August ist dort ein Gütetermin anberaumt. Professor Pfisterer hatte vor drei Jahren den wichtigen Posten am städtischen Klinikum übernommen.

Ihm eilte ein exzellenter Ruf voraus: Das Magazin "Focus" führte den heute 53-Jährigen als Spezialist für Brustkrebs und gynäkologische Tumore auf seiner Ärzteliste auf. Vor seiner Tätigkeit in Solingen war Professor Pfisterer bereits leitender Oberarzt am Uniklinikum in Kiel. Während seiner Zeit als Chefarzt in Solingen wurde das Städtische Klinikum mit dem internationalen Qualitätssiegel "Babyfreundliches Krankenhaus" ausgezeichnet. "Wir waren an der Entscheidung, ihn zu holen, beteiligt", betont Hermann-Josef Bökmann.

Wie gut eine Zusammenarbeit tatsächlich funktioniere, sehe man aber immer erst im "Echtbetrieb", fügt der Geschäftsführer hinzu. Zu den tatsächlichen Gründen für das Zerwürfnis will sich Bökmann vor allem im Hinblick auf den Gerichtstermin nicht äußern.

Auffälliger Geburtenrückgang

"Das Gesamtkonzept war nicht stimmig", sagt Dr. Thomas Standl, medizinischer Direktor am Klinikum. Er verwies auf die Fallzahlen bei den Behandlungen und Operationen, die unter den Erwartungen geblieben seien. Der in ganz Deutschland feststellbare Geburtenrückgang sei im Städtischen Klinikum besonders auffällig. Das Verhältnis zu niedergelassenen Ärzten habe sich offenbar nicht so entwickelt wie erwünscht. Zudem hätten sich Patienten und Hebammen beschwert. "Alles hat sich wie ein Mosaik zusammengefügt", sagt Bökmann. Über ein Jahr habe die Geschäftsleitung immer wieder Gespräche mit dem Chefarzt geführt. Die arbeitsrechtlichen Schritte habe man schließlich in Absprache mit dem Betriebsrat und Juristen eingeleitet, die einen weiteren Imageschaden für das Krankenhaus befürchten. Denn schon Professor Pfisterers Vorgängerin Dr. Vesna Jovanovic hatte das Klinikum im Streit verlassen. Angeblich wollte sich die Klinikleitung schon im Jahr 2008 wegen unterschiedlicher Auffassungen trennen. Die Kündigung erfolgte aber erst im 2009, nachdem sie sich bei einem Sturz vor dem nicht gestreuten Haupteingang des Krankenhauses einen komplizierten Handbruch zugezogen hatte. Begründung: Die Ärztin sei bedingt durch ihre Verletzung nicht mehr in der Lage gewesen zu operieren. Jovanovic zog vor das Arbeitsgericht und erhielt im Zuge eines Vergleichs rund 400 000 Euro zugesprochen.

Wie es zwischen dem Klinikum und Professor Dr. Pfisterer weitergeht, darüber will Hermann-Josef Bökmann nicht spekulieren: "Man weiß nie, was dabei herauskommt."

(RP/rl)
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