Solingen: Klinikum stimmt Mitarbeiter auf harte Zeiten ein

Solingen : Klinikum stimmt Mitarbeiter auf harte Zeiten ein

Um aus den Roten Zahlen zu kommen, sind Kooperationen und Streichungen vorgesehen. Kündigungen sollen ausgeschlossen bleiben.

Einsparungen in einzelnen Abteilungen, nicht mehr besetzte Stellen und Kooperationen mit anderen Häusern - auf das Städtische Klinikum Solingen und seine Angestellten kommen in den nächsten Monaten einschneidende Änderungen zu. Denn nachdem deutlich geworden ist, dass das Krankenhaus wohl auch 2017 wieder ein Millionen-Minus eingefahren hat, verordnet die neue Doppelspitze des Hauses dem Klinikum nun eine regelrechte Rosskur.

Dabei bekamen die 1900 Beschäftigten gestern Nachmittag schon einmal einen ersten Vorgeschmack auf die anstehenden Strukturreformen. Bei einer Mitarbeiterversammlung informierten die kaufmännische Geschäftsführerin Barbara Matthies sowie ihr seit 1. Januar amtierender medizinischer Kollege Prof. Dr. Thomas Standl die Belegschaft über den neuen Kurs, den die Leitung des Hauses zuvor bereits im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt hatte.

"Wir haben keine Zeit zu verlieren", bekräftigte Standl bei der Präsentation der Pläne. So gelte es, auf der einen Seite zu Einsparungen zu kommen und andererseits Investitionen zu tätigen, um als kommunales Haus mit "Maximalversorgung" den Bürgern nach wie vor einen hohen medizinischen Standard bieten zu können.

Bis zur Mai-Sitzung des Aufsichtsrates soll deshalb ein umfassendes Konzept erarbeitet werden. Wobei schon heute deutlich wird, dass "für einige Mitarbeiter große Einschnitte" unvermeidlich sein werden, wie Barbara Matthies betonte. Zwar bleibe es dabei, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen, sondern höchstens Stellenstreichungen im Zuge von Altersfluktuationen geben werde. Und zudem sei nicht geplant, medizinische Angebote zu streichen.

Gleichzeitig denke man aber sehr wohl darüber nach, in den sogenannten Servicebereichen, also etwa in der Küche oder der Wäscherei, fortan mit anderen Krankenhäusern zu kooperieren, hieß es am Montag vonseiten des Klinikums. Aus diesem Grund wurden in den zurückliegenden Monaten entsprechende Gespräche mit dem Klinikum Leverkusen sowie mit Häusern in Wermelskirchen, dem Rhein-Kreis Neuss und dem Oberbergischen Kreis geführt, die Synergieeffekte in patientenfernen Bereichen zum Gegenstand hatten. Und es wurden Experten gewonnen, die sich um das Beleg- und OP-Management bemühen.

Ziel sei es, in Zukunft "sehr verantwortungsvoll mit den bestehenden Ressourcen" umzugehen, verdeutlichte Thomas Standl, der ferner darauf hinwies, dass Investitionen ebenfalls nicht zu kurz kommen. So würden sowohl die bauliche Modernisierung des Hauses fortgesetzt als auch die bestehenden medizischen Schwerpunkte im Klinikum gezielt gestärkt.

In den vergangenen Tagen traf sich der neue medizinische Geschäftsführer, der bis 2014 schon einmal medizinischer Direktor des Klinikums gewesen war, mehrfach mit den Chefärzten des Hauses. "Dabei gab es eine 100-prozentige Übereinstimmung", fasste Standl gestern seine Eindrücke von Treffen zusammen - um gleichzeitig zu unterstreichen, die Zeit der "Partikularinteressen" im Krankenhaus sei ein für alle Mal vorbei.

Der Klinikum-Betriebsrat wollte sich am Montag zu den anstehenden Veränderungen noch nicht äußern. Zunächst sei es notwendig, die konkreten Vorschläge der Geschäftsführung abzuwarten, sagte der stellvertretende Betriebsratschef Ali Dogan. Allerdings, so Dogan weiter, sei es von zentraler Bedeutung, die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter zu senken.

Die Klinikum-Leitung legt ihr Hauptaugenmerk hingegen darauf, so schnell wie möglich aus den Roten Zahlen zu kommen. "2019 müssen wir wieder in ruhigeren Fahrwassern sein", unterstrich Barbara Matthies, die offenließ, welche genauen Formen der Kooperation mit anderen Krankenhäusern am Ende kommen.

Überdies kündigte die Geschäftsführerin aber auch an, mit der Stadt über eine weitere Aussetzung des 500.000-Euro-Zuschusses des Klinikums zum Stadt-Haushalt sowie über die an das Rathaus abzutretende Pacht für Parkplätze reden zu wollen.

(or)
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