Klinikum Solingen: Bilder von Partien der Prostata

Klinikum Solingen : Bilder von Partien der Prostata

Prof. Markus Heuser kombiniert mit einem neuen Gerät MRT- und Ultraschall-Bilder.

Wenn der PSA-Wert im Blut eines Patienten zu hoch wird oder die Prostata zu hart und die Gefahr eines Karzinoms besteht, hat der Urologe keine große Wahl mehr. „Irgendwann wird man Proben aus der Prostata nehmen müssen“, sagt Prof. Dr. Markus Heuser, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Städtischen Klinikum. „Die einfachste Methode ist es, die Biopsie-Nadel durch den Enddarm zu führen.“ Im Regelfall wurden so – unter örtlicher Betäubung – bisher zwölf Proben herausgestochen.Das Problem: „Die Prostata ist ja häufig nicht ganz klein“, erläutert Heuser. Sie könne durchaus die Größe einer Mandarine erreichen.

Deshalb erfasse man mit zwölf Proben vielleicht maximal acht Prozent des Gewebes. Die bisherige Lösung: Der Urologe steigert die Zahl der Nadelstiche auf 30 bis 40 – „eine Riesenbelastung für den Patienten“, so der Chefarzt. Außerdem verbessere die höhere Zahl die Diagnosequalität „nicht wesentlich“. Heuser: „Bei einigen Patienten trifft man das Karzinom nicht.“

Bei komplizierten Fällen wurde deshalb vor zwei bis drei Jahren die Kernspinuntersuchung eingeführt. Damit kann sich der Urologe vor der Probenentnahme ein Bild von verdächtigen Partien der Prostata machen. Mit der Nadel treffen muss er sie aber immer noch. Der Transfer der MRT-Daten „geschah stets im Kopf“, berichtet der 52-jährige Chefarzt: Der Urologe musste die Ultraschallbilder, die bei der Biopsie erzeugt werden, mit den vorher gesehenen Aufnahmen der Radiologen verknüpfen.

Das geht jetzt auch quasi automatisch: Für seine eigene Praxis in Haus D auf dem Klinikgelände an der Gotenstraße hat Prof. Dr. Markus Heuser ein rund 100.000 Euro teures Ultraschallgerät von BK Medical angeschafft, mit dem eine kombinierte MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie der Prostata möglich ist – also sozusagen zwei Dias übereinandergelegt werden. „Die blinde Rumstocherei entfällt“, betont der Chefarzt.

„Der Radiologe liefert mir verschiedene Sequenzen. Anhand dieser Bilder kann ich am Vortag der Probenentnahme am Computer planen, wo ich die Biopsie hinlegen muss. Das Gerät zeigt mir dann, wo ich hinstechen muss.“ Auf dem Foto oben rechts deutet Markus Heuser mit der Biopsie-Nadel auf den Bildschirm, wo die passende Stelle für die Probenentnahme dargestellt wird. Mit der rechten Hand führt der Mediziner die Sonde, die in den Enddarm des Patienten eingeführt und auf die der Biopsie-Apparat aufgesetzt wird.

„Ich bin echt begeistert davon. Das ist eine gute Sache“, freut sich der Spezialist, der die Neuanschaffung nicht alleine nutzen will: „Ich habe sie schon anderen Urologen angeboten. Ich sehe mich nicht als Konkurrenz.“ In der Region werde die Technik an den Universitätskliniken in Köln und Düsseldorf sowie in Leverkusen genutzt. In Solingen nahm Markus Heuser sie vor rund drei Wochen in Betrieb.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: „Das ist eine Leistung, die der Patient mitfinanzieren muss“, erklärt der Chefarzt. „Die Krankenkassen lehnen eine Übernahme ab.“ Wer die kombinierte MRT/Ultraschall-Fusionsbiopsie nutzen will, muss mit rund 300 Euro Eigenbeteiligung rechnen.

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