Solingen: Klinikum nimmt Chefärzte an die Leine

Solingen: Klinikum nimmt Chefärzte an die Leine

Die Zustände des Sommers 2016, als nach der Schließung von einigen Stationen die Betten im Klinikum phasenweise knapp geworden waren, sollen sich nach dem Willen der Verantwortlichen in Zukunft nicht wiederholen.

Dadurch fallen beispielsweise sämtliche Zuständigkeiten rund um die Betreuung der Patienten in den Verantwortungsbereich der neu geschaffenen Abteilung Erlösmanagement. Diese habe ab sofort dafür Sorge zu tragen, dass Aufnahme, Behandlungsplanung, Entlassung und Abrechnung ohne Reibungsverluste über die Bühne gingen, teilte das Klinikum am Freitag auf Anfrage mit.

"Die neue Struktur wurde im Konsens mit allen Geschäftsbereichen entwickelt", versicherte eine Sprecherin des Klinikums, die zudem betonte, die Veränderungen würden in ihrer Konsequenz zu einer Entastung der Mitarbeiter führen. Und darüber hinaus, so die Sprecherin weiter, seien die jetzt umgesetzten Maßnahmen bereits seit längerer Zeit gerade von vielen Angestellten gefordert worden, die eng mit den Patienten zusammenarbeiteten.

Tatsächlich erhofft sich die Klinikumleitung mittels der Neuerungen wie etwa dem zentralen Belegungsmanagement positive Effekte für die Patienten und die Angestellten. Was gleichzeitig aber auch bedeutet, dass die Chefärzte spürbare Einschnitte hinzunehmen haben. Während nämlich über die Aufnahme von Patienten früher in den einzelnen Abteilungen entschieden wurde und somit immer die Möglichkeit bestand, viele Privatversicherte auf die Betten zu verteilen, ist dies in Zukunft nicht mehr ohne Weiteres möglich.

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Dementsprechend interpretieren manche Klinikum-Insider die nun in Kraft gesetzte Struktur durchaus auch als eine zumindest teilweise Entmachtung der Chefärzte, die fortan an eine kürzere Leine gelegt sind - und als einen Sieg von Geschäftsführerin Matthies, die sich seit ihrem Amtsantritt in der Ärzteschaft nicht nur Freunde gemacht hatte.

Wobei die Veränderungen bei der Bettenbelegung nur einen Aspekt eines weit größeren Konsolidierungskurses abbilden. Denn immerhin ist es das Ziel der Verantwortlichen, das Klinikum mit Hilfe einer "Agenda 2020" fit für die Zukunft zu machen, um so die Existenz als kommunales Krankenhaus sicherzustellen.

Deshalb wurden schon vor einiger Zeit Projektgruppen gebildet, deren Ergebnisse jetzt umgesetzt werden. Dabei legte die Klinikumleitung Wert auf eine fach- und hierarchieübergreifende Zusammensetzung der Gruppen. Was jedoch nicht bedeutet, dass die grundlegende Notwendigkeit zu Reformen zur Diskussion steht. "Daran wird von der Leitung kein Zweifel gelassen", hieß es zuletzt zum wiederholten Male aus Klinikumkreisen.

(or)
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