Solingen: Kliniken an der Kapazitätsgrenze

Solingen: Kliniken an der Kapazitätsgrenze

Hohe Patienten-Zahlen und personelle Ausfälle erfordern Geduld.

Ein Abstimmungsgespräch mit Vertretern der drei Solinger Kliniken, des Rettungsdienstes und der Stadtverwaltung fand gestern beim Stadtdienst Gesundheit statt. Hintergrund: die aktuell hohe Anzahl an Influenza-Erkrankungen und die damit verbundenen Kapazitätsengpässe im Bereich der stationären Versorgung, deren Personal ebenfalls grippebedingt dezimiert ist. Alle Teilnehmenden bitten die Bevölkerung um Verständnis, dass vor allem in den zentralen Notaufnahmen mit Wartezeiten zu rechnen ist.

Allein im Städtischen Klinikum suchten in der Nacht von Montag auf Dienstag 155 Patienten die Notfallambulanz auf - fast doppelt so viele wie normalerweise. "Wir müssen die Fälle nach der jeweiligen Schwere der Erkrankung priorisieren", betont Beigeordneter Jan Welzel. Die aktuelle Situation sei herausfordernd, aber zu bewältigen, so Welzel.

Bis zum 6. März verzeichnete der Stadtdienst Gesundheit bereits 72 labordiagnostisch gemeldete Influenza-Fälle in diesem Jahr. Ein Patient starb an dem Virus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es "nur" 43 Fälle. Ein Grund mehr, sich zusammenzusetzen. Sowohl das Städtische Klinikum als auch die St. Lukas Klinik und das Krankenhaus Bethanien sind mit einer Auslastung zwischen 91 und 95 Prozent an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Ab 90 Prozent gilt ein Krankenhaus als voll belegt, weil aufgrund der Geschlechter-Trennung und möglicher Isolierstationen nicht alle Betten belegt werden können. So stehen beispielsweise einzelne Zimmer unter Quarantäne, wenn sich zum Influenza- auch noch der Norovirus hinzugesellt.

Um so bemerkenswerter sei das Engagement der (noch) nicht erkrankten Ärzte, Pflege- und Rettungskräfte, hebt Welzel hervor. "Dank des herausragenden Einsatzes aller Mitarbeiter, die zusätzliche Dienste übernehmen, können wir dem Versorgungsauftrag gerecht werden", lobt Welzel. Zeitweilig war ein Fünftel des medizinischen Personals selbst erkrankt.

Angesichts des hohen Patienten-Aufkommens bei gleichzeitig überproportional hohem Krankenstand der Pflegenden wurde jetzt ein Notfallplan abgestimmt. Dieser sieht eine tägliche Abstimmung, die intensive Kooperation aller Häuser und die Bündelung der vorhandenen Ressourcen vor. Zudem passt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ihre Präsenz in der Notdienstpraxis der niedergelassenen Ärzte dem erhöhten Bedarf an. Welzel: "Wir sind vorbereitet, sollte sich die Situation weiter verschärfen".

(red)