Solingen: Klinik-Seelsorge: Ein wunderbares Hand-in-Hand

Solingen: Klinik-Seelsorge: Ein wunderbares Hand-in-Hand

Dass sie zu den Menschen gehen, die Rat, Gebet oder Zeit brauchen, ist für Antje Blesenkemper das besonders Schöne am Dasein als Klinikum-Seelsorgerin. So habe Jesus das ja auch getan. "In einer Gemeinde zu sein, bedeutet dagegen im Alltag meist, Angebote zu machen und einzuladen - also ein umgekehrter Ansatz." Die evangelische Pfarrerin verstärkt seit vergangenem Herbst das damit nun dreiköpfige Team dieser Konfession im Städtischen Klinikum. Ebenso neu am Krankenhaus an der Gotenstraße ist ihre katholische Kollegin Monika Bender, die zuvor in der St. Lukas Klinik und davor in St. Remigius in Opladen gewirkt hat.

Beide arbeiten gerne als Kooperationspartner zusammen. Es sei hier ein wunderbares Hand-in-Hand zwischen katholischem und evangelischem Team, betonen beide. Zum Beispiel gebe es gemeinsame Projekte zu Ostern oder zu Weihnachten. Zuletzt etwa einen in Gemeinschaftsarbeit entstandenen Adventskalender, der in vielen Arztzimmern aufgehängt war, in Funktionsbereichen und auch auf Stationen. "Der war überall im Haus sehr präsent. Einige von uns haben Texte beigesteuert, andere grafische Elemente - und so ist das Ganze eine runde Sache geworden", erzählt Monika Bender. Natürlich stellten sich die Seelsorger auf den Stationen bei Besuchen mit der jeweiligen Konfession vor und ließen den Patienten entscheiden, ob diese für ihn passt, oder ob er bei Bedarf lieber mit "der anderen Seite" sprechen möchte. Oft werde von den Kranken ein Ansprechpartner gesucht, der in erster Linie ein empathischer Mensch sein soll, gleich welcher Konfession. "Und dann geht derjenige los, der gerade Kapazitäten hat", erklärt die 61-jährige Monika Bender.

Oft gehe es hauptsächlich darum, Zeit zu spenden: zuzuhören, zu plaudern, vielleicht mal über den Arm zu streichen oder eine Hand zu halten. "Menschen, die krank hier liegen, haben plötzlich Zeit, sich über sich und ihr Leben Gedanken zu machen. Und brauchen mitunter ein freundliches Gegenüber, dem sie etwas erzählen können", sagt Antje Blesenkemper. Seelsorgeteams sind auch für Angehörige zu erreichen. Schmunzelnd erzählt sie, dass sie aber auch schon einen Nachmittag als dritte Partei Skat gespielt hat. Und das habe allen viel Spaß gemacht. "Solche Begegnungen sind oft vertrauensbildend. Wer zusammen lacht, kann auch zusammen schwerere Dinge durchstehen, hat mir einmal ein Patient gesagt - und er hat recht."

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Beide Seelsorgeteams, die ihre Büros nahe der Eingangshalle haben, sind telefonisch oder direkt zu erreichen. Für Patienten, Angehörige - und auch Mitarbeiter der Klinik - möchten sie so etwas wie ein offenes Ohr sein. In ihrer ehemaligen Klinik sei dieses Angebot gerne genutzt worden, berichtet Monika Bender. "Ich war ein echter Kummerkasten, wenn sich eine Schwester oder auch ein Arzt einmal etwas von der Seele reden wollten." Hier sei sie noch zu neu, erst müsse sie in der Belegschaft bekannter werden. "Aber das kommt", ist sie zuversichtlich.

"Mir ist es wichtig, dass wir auch Ansprechpartner für das Pflegepersonal und die Mediziner sind", sagt auch die 41-jährige evangelische Theologin. Als Zwillingsschwester einer Krankenschwester sei sie besonders dafür sensibilisiert, dass nicht nur Patienten manchmal jemanden bräuchten.

(jsl)