Klingenmuseum Solingen bekommt Schmiedehaus

Klingenmuseum : Der neue Kotten neben dem Klingenmuseum

Mädchen von der Grundschule Gerberstraße waren die Ersten, die sich im jetzt eröffneten Schmiedehaus am Amboss probieren durften. Finanziert wurde das Projekt mit Spenden der Krebs-Stiftung.

Ihre Freude über das am Mittwoch der Öffentlichkeit übergebene Schmiedehaus konnte Dr. Isabell Immel nicht verbergen. Denn für die Museumspädagogik sei der „neue Kotten neben dem Kloster“ eine ganz wichtige Sache. Immel versprach ein „neues Klingenmuseum“, in dem das Tun, das Mitmachen immer wichtiger werde als das bloße Anschauen der Ausstellungsstücke in den Vitrinen.

Diese Idee habe den Freundeskreis des Deutschen Klingenmuseums auch bewogen, das Schmiedehaus zu ermöglichen, erklärte gestern dessen Vorsitzender Franz Haug. Und das alles sei nur gelungen, weil die Krebs-Stiftung das überwiegend finanziert habe. „Es ist heute deshalb der große Tag von Ulrike und Klaus Krebs“, dankte der Alt-Oberbürgermeister den beiden.

Sichtlich gerührt nahm das Ehepaar die Lobeshymnen auf. Klaus Krebs hatte schon während der Bauphase immer wieder in die Pläne eingegriffen. „Macht was Vernünftiges“, sei dessen Credo gewesen, berichtete Haug – dazu habe auch gehört, mehr Mittel zur Verfügung zu stellen als ursprünglich geplant. Das Haus wurde in nicht einmal einem Jahr von zumeist Solinger Firmen erstellt. Es ging jetzt mit der Eröffnung ins Eigentum der Stadt Solingen über, die den laufenden Betrieb finanzieren wird.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach wandte sich an seinen Vorgänger Haug und stellte heraus, dass dessen persönlicher Einsatz maßgeblich für die gelungene Umsetzung der Idee gewesen sei. Natürlich würdigte Kurzbach auch das Ehepaar Krebs. Mit ihrer Stiftung würden sie nicht nur das Museum unterstützen, das gehe weit darüber hinaus. „Es ist ein Segen, was das Ehepaar Krebs für die Stadt tut“, sagte er. Ohne solches gesellschaftliches Engagement sei Vieles in Solingen nicht mehr denkbar. Damit spielte er auf die leeren Kassen der Stadt an, die etwa den Bau des Schmiedehauses nicht ermöglicht hätten.

Nun solle der Betrieb auch zügig anlaufen, versprach Dr. Isabell Immel. Die Kunsthistorikerin erklärte, dass das Schmieden in Sachen Attraktionen schon lange „Magnet Nummer 1“ des Klingenmuseums sei. Das gelte nicht nur für das junge Publikum der Schüler, auch Erwachsene würden entsprechende Kurse gerne buchen. Das sei nun eben ganzjährig und nicht nur wie früher unter freiem Himmel möglich, ergänzte der Freundeskreis-Vorsitzende Franz Haug.

Die Schmiede selbst ist eine in die heutige Zeit passende Neuauflage des typisch bergischen Kottens. In denen sei früher viel geknöstert und getüftelt worden, sagte Kurzbach. Das habe entscheidend zum Weltruf der Klingenstadt Solingen beigetragen, die ja nicht an einem verkehrsgünstig gelegenen Straßennetz oder Fluss gelegen habe.

Dieses Tüfteln und Arbeiten mit Material wird die Schmiede, in der einige Ambosse und Schmiedeöfen aufgebaut sind, vermitteln helfen. Das werde, waren sich die Redner einig, viele neue Besucher nach Gräfrath ziehen. „Auch die Solinger sind heute eingeladen, sich ihr Museum wieder einmal anzuschauen“, sagte Kurzbach. „Das lohnt sich ab heute wirklich.“

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