Solingen: Kleines Krankenhaus mit großer Wirkung

Solingen : Kleines Krankenhaus mit großer Wirkung

Dank der Spendenbereitschaft von Solinger Bürgern konnte in dieser Woche das Solingen-House in Kambodscha eröffnet werden.

Die Mönche aus den nahe gelegenen Pagoden hatten wichtige Sachen dabei für das Solingen-House: Bettmatten, Wasserkocher und Thermosflaschen, und natürlich haben sie dem Haus ihren Segen gegeben bei der Eröffnung am vergangenen Dienstag in der Gemeinde Kouk Kong Lech, zirka 90 Kilometer entfernt von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Finanziert wurde das Haus aus Spenden von Solinger Unternehmen und Einzelpersonen. Es ist die 22. Basis-gesundheitsstation, die über das Friedensdorf Oberhausen in Kambodscha errichtet wurde - und ein nächstes Solingen-House ist bereits im Gespräch, denn die Spendenbereitschaft der Solinger ist überwältigend. 45 000 Euro kostete das Solingen-House, weitergehende Unterstützung ist avisiert.

Zu der für westliche Begriffe bescheidenen Ausstattung des Kleinst-Krankenhauses gehört eine Entbindungsliege ebenso wie ein Regal, in dem Medikamente gelagert werden. Foto: NN

Zu den Unterstützern gehört Dr. Christoph Zenses. Bei einem Besuch im Oberhausener Friedensdorf erfuhr der Facharzt, dass die Organisation neben der Einzelfallhilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten auch den Bau von Basisgesundheitsstationen in bitterarmen, medizinisch kaum versorgten Ländern übernimmt. Die Idee, den Bau einer solchen Station mit Mitteln aus der Klingenstadt zu fördern, kam schnell - und sie fand viele Unterstützer. Vom kirchlichen Frauenkreis bis zum Großunternehmen, viele gaben Geld, große wie kleine Summen sorgten dafür, dass das Solingen-House (die englische Schreibweise wurde bewusst gewählt, da diese Sprache in Kambodscha eher gesprochen wird) gebaut werden konnte.

Zu der für westliche Begriffe bescheidenen Ausstattung des Kleinst-Krankenhauses gehört eine Entbindungsliege ebenso wie ein Regal, in dem Medikamente gelagert werden. Foto: NN

Auch Achim und Karin Kirschner stehen hinter der Solingen-House-Idee. "Durch einen Besuch in Kambodscha konnten wir uns persönlich ein Bild von der Situation der extrem armen, aber auch sehr liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen machen. Daher rührt unser Engagement für das Solingen-House, da wir auch festgestellt haben, dass die Spenden beim Friedensdorf Oberhausen in guten Händen liegen," sagt Creditreform Komplementär Achim Kirschner.

Neben dem Friedensdorf Oberhausen haben die Solinger Spender in dem Kambodschaner Kim Heng Chau vor Ort einen verlässlichen Partner, der mit den Gemeinden in Kontakt ist, die den Bau einer Basisgesundheitsstation beantragt haben. Und der Bedarf ist groß. So ist das Solingen-House ab sofort Anlaufpunkt für mehr als 7500 Einwohner aus der Kommune Kouk Kong West, die nur über unbefestigte Wege zu erreichen ist, die insbesondere während der Regenzeit nur schwer zu befahren sind. Auf Mopeds oder auf Tragen werden die Kranken und Schwangeren zur medizinischen Versorgung gebracht. Die Lage hat sich durch die Eröffnung der Gesundheitsstation erheblich verbessert. Auch die Bürger haben ihren Teil zum Solingen-House beigetragen, für Grundstück und Mauer gaben sie pro Familie einen Betrag von 3,50 Euro. Die sieben medizinischen Kräfte, die in der Station arbeiten werden, bezahlt der Staat Kambodscha. Eine Hebamme, Krankenschwestern und Pfleger kümmern sich um die Patienten im Solingen-House, das rund um die Uhr geöffnet ist.

Vom Erfolg des ersten Solingen-House motiviert, erwägen die Unterstützer den Bau einer zweiten Gesundheitsstation zu finanzieren. Kim Heng Chau hat auch bereits einen möglichen Bauplatz mit den örtlichen Behörden ins Visier genommen, wieder dort, wo Menschen die Hilfe dringend benötigen, in Kaoh Sampov unweit der Grenze nach Vietnam. Dieses Gebiet wurde während der Jahrhundertflut stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch heute ist der Bereich, in dem rund 10 000 Menschen leben, in der Regenzeit nur mit dem Boot zu erreichen. Sollte dort ein zweites Solingen-House gebaut werden, würde es auf Stelzen errichtet. "Bislang müssen die Menschen, die ausschließlich vom Reisanbau leben, ins 34 Kilometer entfernte Krankenhaus Preak Sdach oder sie fahren mit dem Boot nach Vietnam", berichtet Kim Heng Chau.

www.solingen-house.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE