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Kirchengemeinde Ohligs spielt Krimi von Hitchcock

Theater in der Maschinenhalle : Kirchengemeinde spielt Hitchcock

Die Gruppe „Gaudium“ der evangelischen Gemeinde Ohligs bringt die Krimikomödie „Die 39 Stufen“ auf die Bühne.

Richard Hannay sitzt gelangweilt in seinem Sessel und beschließt bei einem Glas Scotch, sich die Zeit mit einem Theaterbesuch zu vertreiben. Dort, während der Vorstellung, fällt plötzlich ein Schuss – und bald darauf findet sich die Hauptfigur inmitten einer vertrackten Spionage-Geschichte um Mord und gestohlene Geheimdokumente wieder. Das typische Motiv vieler Alfred Hitchcock-Filme – ein unbedarfter Durchschnittsmensch gerät in einen Strudel mysteriöser Ereignisse, deren Hintergrund er erst nach und nach durchschaut – erlebt in „Die 39 Stufen“ aus dem Jahr 1935 einen frühen Höhepunkt.

Und an den nächsten beiden Wochenenden ist der Stoff in Solingen auch auf der Bühne zu sehen. „Es ist eine tolle Story, für das wir kein großes Bühnenbild brauchten“, sagt Diakon Patrick Wilde, der sich hauptamtlich um Ehrenamtskoordination und Generationenarbeit bei der evangelischen Kirchengemeinde Ohligs kümmert – und dort vor 15 Jahren die Theatergruppe „Gaudium“ gründete. Ein Schattenspiel bei den Kinderbibeltagen hatte einst den Stein ins Rollen gebracht. Inzwischen tritt das Ensemble mit ein bis zwei Bühnenstücken pro Jahr auf. Wie der Name der Gruppe verrät, geht es dabei in der Regel vergnüglich zu: Die Komödie „Vampire waren auch nur Menschen“ gab es zum Auftakt, „Und ewig rauschen die Gelder“, „Nachbars Lumpi“, aber auch ein „Luther-Musical“ zum Reformationsjubiläum kamen dazu. „Besonders sind mir die Aufführungen zur Nacht der offenen Kirchen ans Herz gewachsen“, sagt Wilde, der stets Regie führt – und auf ein eingespieltes Team zurückgreifen kann: „Viele sind schon etliche Jahre dabei, einige haben auch ihre Kinder mitgebracht, die mit dem Ensemble groß geworden sind.“ Das gilt zum Beispiel für seine Tochter Hannah: „Ich habe hier schon als kleines Kind Minirollen gehabt“, verrät die heute 20-Jährige. In den „39 Stufen“, die auf einem Roman des schottischen Schriftstellers John Buchan basieren, verkörpert sie Pamela, die zur unfreiwilligen Begleiterin der Hauptfigur wird. An ihrer Seite schlüpft Felix Baumgart in die Rolle Richard Hannays. Der 24-Jährige stieß vor zwölf Jahren über seinen Vater zur Theater-Gruppe. In der engagieren sich insgesamt 45 Mitglieder – ob als Darsteller auf der Bühne, am Technik-Pult, beim Kulissentransport oder Catering.

„Wir sind eine super-Gemeinschaft, in die sich jeder auf seine Weise einbringt“, schwärmt Darstellerin Tanja Gnass, Mitglied der ersten Stunde. Personell gesehen herrscht also eine gewisse Kontinuität bei „Gaudium“ – und eigentlich auch im Hinblick auf die Spielstätte. Das ist klassischerweise die evangelische Stadtkirche Ohligs an der Wittenbergstraße.

Deren Sperrung wegen der dringend notwendigen Sanierungsarbeiten zwangen die Gruppe jedoch zum Ausweichen an einen anderen Ort. So zog das Ensemble mit Sack und Pack um in die Maschinenhalle des Gründer- und Technologiezentrums – und ist durchaus angetan vom Charme des Industriegebäudes. „Die passt sehr gut zum Stück“, findet Patrick Wilde.