Serie Gotteshäuser : Protestantischer Stolz in Bauernmarmor

Das Gotteshaus in Unterburg gehört zur Gemeinde Wermelskirchen.

Trommeln, klopfen, rütteln oder das Schlüsselloch suchen – vergeblich. Wer an der großen, schweren Holztür der evangelischen Kirche in Unterburg steht und Einlass wünscht, der lüftet schon bald das erste Geheimnis des kleinen Gotteshauses. Diese Tür öffnet sich nur von innen. Das war schon damals so, als die Protestanten im Tal ihre erste kleine Kirche einweihten und das ist heute so.

„Ein dicker Balken versperrt den Einlass“, erklärt Pfarrerin Almuth Conrad und sucht sich den Weg über eine kleine Tür in der Sakristei. Ein paar Stufen, zwei Ecken, eine kleine Tür hinter dem stattlichen Altar und dann durchquert sie den Kirchraum und schiebt den schweren Balken zur Seite, er verschwindet in der Wand. Zwei Riegel muss sie noch überwinden. Mit einem Stoß öffnet die Pfarrerin dann die schwere Tür. Hinter der Kirche plätschert die Wupper vor sich hin, ein paar Vögel singen, Wanderer haben auf der Bank auf der Gemeindewiese Platz genommen. Ansonsten ist es still. Idylle.

„Das war nicht immer so“, sagt die Pfarrerin. Denn damals, als die evangelischen Christen 36 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers in Wittenberg begannen, Pläne für ihre eigene Kirche zu schmieden, war der Protest der Katholiken auf dem Berg laut. Mitten in der Reformation setzten die Protestanten ihren Kopf durch, sammelten im ganzen Rheinland Spenden für ihr Kirchlein und begannen zu bauen.

 Innenansicht der Kirche Unterburg, aufgenommen von der Empore.
Innenansicht der Kirche Unterburg, aufgenommen von der Empore. Foto: Meuter, Peter (pm)
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„Der Legende nach kamen nachts die Katholiken und mopsten die Steine, die am Tage gemauert worden waren“, erzählt Almuth Conrad. Also bewachten die Burger ihre Baustelle, und nicht selten soll es zu Prügeleien gekommen sein. Die Protestanten bauten trotzdem. „Und ihre Kirche sollte etwas hermachen“, sagt die Pfarrerin.

Das können die Besucher des Gotteshauses noch heute entdecken – wenn sie nur genau hinsehen. Das Holz der Empore und die Säulen schimmern in dunklem Marmorglanz. Aber der Schein trügt, das zeigt sich schnell: Denn in den dunklen, marmorierten Pfeilern sind kleine Risse zu erkennen. „Die Burger malten das Holz dunkel an, damit es wertvoll schimmerte“, erzählt Almuth Conrad. Bauernmamor nannten das die Menschen im Mittelalter.

Auch der berühmte bergische Dreiklang von Altar, Kanzel und Orgel ist in der Kirche in Unterburg besonders eindrücklich ausgefallen – vor allem wegen des dunklen Holzes. Die Fenster dürften anfangs bunt und schmuckvoll gewesen sein, erst als sie im Krieg zerstört wurden, entschied sich die Gemeinde, sie durch schlichte, durchsichtige Scheiben zu ersetzen. Und mit ihnen kam dann wohl auch das Licht in die Kirche im Tal.

 Pfarrerin Almuth Conrad vor dem Altar.
Pfarrerin Almuth Conrad vor dem Altar. Foto: Meuter, Peter (pm)

Auf ihren stattlichen Kirchturm, den sich die Protestanten in der Reformationszeit so sehnlichst gewünscht hatten – samt stolzen Glockenschlags – mussten sie allerdings noch ein paar Jahre warten. Die Genehmigung blieb aus. Als sie die Kirche 1735 einweihten, fehlte die Aufstockung also noch. Das können Besucher heute noch am Mauerwerk sehen. Ein Geheimnis der kleinen Kirche offenbarte sich hingegen erst viel später. „Eine Legende hatte besagt, dass unter dem Altar die Gebeine eines verstorbenen Pastorentöchterchens liegen würden“, erzählt Pfarrerin Almuth Conrad. Geglaubt hatten Pfarrer und Gemeinde das nie so recht. Als in den 1960er Jahren aber eine Innensanierung auf dem Plan stand, entdeckten die Bauarbeiter tatsächlich jene Gebeine. „Damals wurden sie zurückgelegt“, sagt Almuth Conrad und weist zu dem kleinen Friedhof, der gleich neben der Kirche an uralte Zeiten erinnert.

Und wohin deutet die Zukunft des alten Gotteshauses? 2011 fusionierte die Gemeinde mit den Wermelskirchenern und gehört seitdem zum Bezirk Hünger. Das alte Pfarrhaus steht längst leer, das Gemeindehaus soll verkauft werden. „Wir könnten uns vorstellen, in der Sakristei einen neuen Treffpunkt zu gestalten“, sagt Almuth Conrad. Die Geschichte der kleinen Kirche ist noch lange nicht am Ende.