Solingen Keine Vorfahrt für Zebrastreifen

Solingen · Als die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, BfS und den Linken in der Sitzung des Stadtplanungsausschusses im April die Rückkehr der Zebrastreifen beschloss, hörte sich das erst mal einfach an.

Ein paar Eimer Farbe, ein blaues Schild und dann Feuer frei zum Aufmalen. Aber so einfach ist das natürlich nicht.

Im Kreisverkehr Siebels wurde Ende Mai dieses Jahres einer markiert, fast genau 50 Jahre, nachdem die Klingenstadt ihren ersten Zebrastreifen bekam. Bei der Stadt sprachen sich die Verkehrsplaner allerdings in den vergangenen Jahrzehnten gegen Zebrastreifen aus, weil er Fußgängern nur eine Pseudosicherheit biete. Und nun will die Politik ihn also zurück.

Doch wie in Deutschland üblich gibt es auch für die Einsatzmöglichkeiten von Zebrastreifen eine Richtlinie, in der alles haarklein aufgeführt ist. Angelegt dürfen sie demnach nur hier werden:

— auf Straßenabschnitten mit Tempo 50 (in Tempo-30-Zonen seien Zebrastreifen entbehrlich),

— an Stellen, wo nur ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung überquert werden muss,

— an Stellen, wo beidseitig Gehwege vorhanden sind,

— wo eine ausreichende Sichtbeziehung zwischen Fußgänger und Autofahrer gegeben ist,

— wo die Fußgängerquerung gebündelt möglich ist.

Aber damit ist noch nicht Feierabend mit den Vorgaben: Denn neben der Markierung und Beschilderung gehört die Beleuchtung zur Ausstattung, damit Fußgänger auch bei Dunkelheit und regennasser Fahrbahn deutlich erkennbar sind.

Noch interessanter ist aber die Aufstellung von Vorgaben, wo keine Zebrastreifen angelegt werden dürfen:

— in der Nähe von Ampeln oder auf Straßenabschnitten mit grüner Welle,

— an Bussonderstreifen,

— auf bevorrechtigten Straßen an Kreuzungen und Einmündungen mit abknickender Vorfahrt,

— im Verlauf eines gemeinsamen Fuß-Radweges.

Wenn man dies alles beachtet, sind damit auch vier mögliche Zebrastreifen-Standorte vom Tisch: am Knoten Bismarck-/Gabelsberger Straße kommt stattdessen ein Kreisverkehr hin. Auf allen drei weiteren geprüften Standorten befinden sich die zu ersetzenden Ampeln auf Hauptverkehrsstraßen. Das sind im Einzelnen Merscheider-/Dahlerstraße, Kamper-/Trommershausenstraße sowie Cronenberger-/Helenen-/Schillerstraße.

Den Auftrag der Politik, alle rund 100 Fußgängerquerungshilfen in der Stadt darauf zu prüfen, ob sie durch einen Zebrastreifen ersetzt werden können, hat die Stadt mit Verweis auf ihre knappen personellen Ressourcen zurückgewiesen. Ihr Gegenvorschlag: Erstmal nur dort zu schauen, wo sowieso Umbaumaßnahmen vorgesehen sind.

(RP/rl)
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